Mein Weg zur Katze und die Erfahrungen im Zusammenleben mit diesen genialen Geschöpfen. Ein Leben ohne Katze ist möglich, aber sinnlos.

Allerheiligen 2003. Mein Telefon klingelt. Cesar, mein acht Monate alter Kater, wurde angefahren. Er lebt noch, ringt aber mit dem Tod. Der Tierarzt versucht mit allen möglichen Mitteln sein Leben zu retten, doch vergebens. Es folgt Trauer. Zwei Tage später bitte ich meine Mutter alle Katzenutensilien aus meiner Wohnung zu entfernen. Selber schaffe ich es nicht. Zu schlimm ist der pelzige Verlust. Sie fährt stattdessen ins Tierheim nach Bruck an der Leitha, holt Speedy (alias Mopsi) und setzt sie mir an meinem kurz darauf folgenden Geburtstag in meine Wohnung. Ich werde es nie vergessen, wie ich nichtsahnend von der Arbeit nachhause kam und mich dieses kleine, zierliche und aufgeweckte Katzenkind begrüßte bzw. sich beinahe über die Geburtstags-Bananenschnitte meiner Oma hermachte. Dies war der Beginn einer seit mittlerweile über 12 Jahren andauernden Freundschaft.

Speedy oder Mopsi

Eigentlich sollte das Katzenkind Cleo heißen. Wie es jedoch bei Katzen so üblich ist, suchen sie sich nicht nur gerne ihren Dosenöffner selber aus, sondern in diesem Fall auch ihren Namen. Nach zwei schlaflosen Nächten, weil dieses haarige Biest ständig durch die Bude stürmte als hätte sie eine Rakete im Hintern, gab ich ihr den Namen Speedy. Sie war ja auch wie auf Speed. Speedy war im Tierheim mit fünf anderen Katzen im Käfig eingesperrt und da sie so schwach war, hat sie vom Futter nie genügend abbekommen. Bei mir zuhause war sie daher verfressen ohne Ende und hätte auch eine große Dose Whiskas auf einen Satz gefressen. So ging sie nach und nach immer mehr in die Breite und bekam dann später auch den Namen Mopsi. Auf ihre weiteren Namen wie „lass das“, „schleich dich“, „geh owa du Trottl“, „i reich die Scheidung ein“ und „i ziag da des Fell oh“ werde ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.

Freigänger oder Stubentiger?

Das war die Frage die ich mir nach den Geschehnissen rund um Cesars Tod mehrfach stellte. Ich entschied mich dazu Speedy in der Wohnung als Stubentiger zu halten und sie somit vor den Gefahren des Straßenverkehres zu schützen. Erst bewohnten wir eine 50qm Wohnung, zogen dann aber bald in ein fast 80qm großes Katzenparadies mit Balkon um. Katzenparadies, weil ich die Wohnung zwar bezahlen darf, aber mich an die Futterbedingungen halten muss und mit Einschränkungen gnädiger Weise in der Wohnung leben darf. Ich war leider relativ viel unterwegs und Speedy wurde schnell langweilig. Gesellschaft gehörte ins Haus.

Luna aka Luno

Luno zog ein. Luno war ein Perserkater, der leider so minimalistisch bestückt war, dass ihn zwei Wiener Tierärzte des Tierschutzverbandes für ein kastriertes Weibchen hielten. So hieß er eigentlich auch erst Luna und musste dann doch plötzlich in Luno umgetauft werden. Luno wurde in Wien in seiner Transportbox bei einer Müllinsel gefunden und ich gab ihm die Chance bei mir zu leben. Speedy und er wurden relativ schnell Freunde. Leider stellte sich heraus, dass Luno an einer schlimmen Augenerkrankung litt und wahrscheinlich deshalb ausgesetzt wurde. Er hatte zwei Rollider. Dies bedeutet, dass Wimpern vom Lid ins Auge wachsen und dadurch die Glaskörper geschädigt werden. Nach einem Besuch in der veterinärmedizinischen Universität stellte sich heraus, dass er unbedingt operiert gehört. OP-Kosten 500 € pro Auge. Luno lebte zum Zeitpunkt der Diagnose erst zwei Wochen bei mir und die hohen Kosten hätten zusätzlich meinen finanziellen Rahmen gänzlich gesprengt. Ich bot der veterinärmedizinischen Universität an, dass sie ihn auf ihre Kosten operieren (dabei könnten Studenten lernen) und ihn dann anschließend weitervermitteln sollen. Hauptsache er kann schmerzfrei leben und bekommt woanders einen guten Platz. Eine unfreundliche Tierärztin schickte mich mit den Worten: „Die Katze gehört operiert alles andere ist Tierquälerei“ bei der Tür raus. Ich musste mich zügeln, sonst hätte ich dem Trampel eine gescheuert. Luno wurde damals von Tierarzt Lentsch in Purbach behandelt, der aber die besagte Operation in seiner Ordination nicht durchführen konnte. Er hatte aber Mitleid und mit seiner Unterstützung wurde Luno zu weit weniger Behandlungskosten in einer Ordination eines Kollegen operiert. Luno hatte nach dieser Operation noch schöne 1,5 Jahre zu leben, musste aber dann wegen Zungenkrebs eingeschläfert werden.

Easy

So easy war die Entscheidung Luno gehen zu lassen nicht, aber was fix war – Speedy brauchte unbedingt Gesellschaft. Nach einem Besuch im Tierheim Bruck an der Leitha holte ich Easy zu uns. Easy war ein Sonnenschein. Lieb, verschmust, zutraulich ohne Ende und sie und Mopsi waren binnen zwei Tagen die besten Freunde die man sich nur vorstellen kann. Leider stellte sich heraus, dass Easy an FIP (Katzenaids) litt. Diese Erkrankung raffte sie binnen zwei Wochen aus dem Leben. Wie viel Pech kann man eigentlich haben? Diese Frage stellte ich mir nicht nur einmal. Nach Easys Tod dauerte es zusätzlich noch ein paar Wochen bis ich wusste, dass sich Mopsi nicht mit FIP angesteckt hatte.

Chini

Nach diesen ganzen Geschehnissen rund um die Freunde von Speedy, wollte ich nichts mehr riskieren und habe Chini von einer Züchterin geholt. Sie hatte sämtliche Impfungen und war gesund. Dass sie einen gröberen Vogel hat, hat sich dann erst später herausgestellt, aber das ist Mopsi egal, sie mag sie trotzdem. Sie leben nun schon einige Jahre miteinander und wie zuvor erwähnt, darf ich auch an ihrem Leben teilhaben. Chinsi ist der Monk in unserer WG. Sie kriegt zB. die Krise wenn irgendetwas anders ist und hat manchmal auch Angst vor ihren eigenen Geräuschen. Manchmal sage ich auch Gringer zu ihr. Sie ist wie He-Mans ängstlicher Tiger, nur dass sie sich nicht in Battlecat verwandeln kann.

Zusammenleben

Wie gestaltet sich das Zusammenleben mit Katzen in einer Wohnung? Wie bereits zuvor erwähnt, wird man als Mensch in einem Katzenhaushalt nur geduldet. Eigentlich versuchen diese Viecher permanent ihr Personal umzubringen, doch so richtig ist ihnen dieses Vorhaben bis dato noch nicht gelungen bzw. wollen sie uns nicht ganz töten, denn irgendjemand muss ja für ihren Wohlstand aufkommen. Sie legen dennoch beispielsweise Stolperfallen aus, über die man nachts leicht drüber fällt. Manchmal fungieren sie auch persönlich als diese besagte Stolperfalle, wenn sie zufällig zwischen deinen Füßen durchstreifen und man deshalb fast aufs Maul fällt. Sie kotzen auch gerne irgendwo hin, damit man wie auf einer Bananenschale ausrutscht und sich möglicherweise das Genick bricht. Beim Thema Kotzen bin ich mir aber noch nicht ganz sicher, denn diese Rutschfallen sind vielleicht auch nur Unfälle. Ihre tatsächliche Mission ist es, die ausgewürgten Haarballen auf dem letzten verbliebenen Quadratzentimeter Teppich zu deponieren, bis letztendlich jeder Teppich versaut ist und man bereits überlegt die komplette Wohnung zu verfliesen. Einzige Möglichkeit zu überleben: Gutes Futter, dieses in rauen Mengen, ein Kratzbaum (damit die Couch verschont bleibt), ein Katzenklo, eine gute Aussicht vom Balkon oder Fensterbrett und Spielzeug.

Spielzeug

Nein, ich denke dabei nicht an die unzähligen Stoff- und Rattanmäuse, Bälle, Kugeln, Rascheltunnel, Höhlen, Katzenangeln mit Federn usw. usf. die es bei Fressnapf gibt, sondern an ganz banale Dinge wie Wattestäbchen. Lasst mal eure Katze mit einer 200 Stk. Box Wattestäbchen unbeaufsichtigt und ihr wisst beim Einsammeln aller 200 Wattestäbchen, welches Spielzeug wirklich toll ist. Ihr könnt die komplette Katzenspielzeugpalette von Fressnapf kaufen, kommt ihr aber mit einer Kartonbox, einem Gummiringerl oder einer Büroklammer daher, werden die Viecher das teure Spielzeug nicht mal mehr eines Blickes würdigen. Sie sind einfach gestrickt und nehmen auch vorzugsweise Vorhänge ins Visier, versuchen Fliegen zu fangen und zerstören dabei die komplette Wohnungsdekoration bzw. Wohnungseinrichtung, oder schmeißen einfach nur ihren Wassernapf um und finden es lustig durch die Pfütze zu laufen und dabei Aquaplaning unter den Pfoten zu bekommen. Hört man ergänzend das typische Schnattern beim Anvisieren eines potentiellen Opfers, geht man außerdem längst in Deckung. Überlegt ihr noch immer eine Katze zu holen? Gut, dann werde ich noch ein wenig weiter schreiben.

Eine Katze frisst nicht, sie diniert

Katzen fressen anfangs jedes Futter, aber auch du wirst einen Fehler machen und ihnen mal aus irgendeinem unvorsichtigen Grund teureres Futter kaufen. Ab diesem Zeitpunkt kannst du dir sämtliche Billigmarken eindosen. Du denkst jetzt sicher: „pah, wenn sie nichts Anderes bekommen, dann werden sie es schon fressen!“. Tja, leider ist dem nicht so, denn sie werden dich mit ihrer aufdringlichen und nervigen Art solange in den Wahnsinn treiben, bis du sogar sonntags kreischend zur nächsten Tankstelle fährst und ihnen Gourmet oder Sheba holst. Es ist auch nicht gesagt, dass sie dann dieses Futter anstandslos fressen, denn manchmal ändern Futterhersteller die Rezeptur und schon geht das Thema „Futterterror“ von vorne los. Du lässt zwar anfangs das verschmähte Nassfutter solange stehen bis es eintrocknet, aber auch dieser Versuch ist zwecklos, denn nur dich nervt dass deine Wohnung stinkt, den Katzen ist das ziemlich Banane.

Frisst er gut, scheißt er gut

Das Katzenklo, macht nicht nur die Katze froh. In den meisten Fällen wird dieses auch problemlos angenommen. Mopsi hat in ihrem Leben erst zweimal woanders hingemacht, aber dies erst seit sie krank ist. Sie sind sehr saubere Tiere und verwendet man die richtige Streu, braucht man nur beim Säubern des Kistls eine Atemschutzmaske. Ihr werdet euch wundern, was die Viecher teilweise für Gebilde ins Klo legen. Erstens fragt man sich, wie zur Hölle das überhaupt IN einer einzigen Katze Platz hatte bzw. wie so ein kleines Wesen nur so erbärmlich stinken kann. Ihr werdet es dennoch überleben und müsst euch ab dem Einzug einer Katze nur daran gewöhnen, dass euch ständig Katzenstreu an den Füßen klebt.

Mirakel & Mysterium

Trotz ihrer ganzen Marotten liebt man diese Tiere. Ich kann es mir selbst nicht erklären wie sie das schaffen, aber ich werde ab sofort in unbestimmten Intervallen zum Thema Katze bloggen. Nachdem Mopsi bereits schwer Nierenkrank ist, möchte ich auch einige ihrer Anekdoten bzw. ihren Krankheitsverlauf für andere Katzenbesitzer, deren Katzen genauso an chronischer Niereninsuffizienz leiden, dokumentieren. Falls es euch also interessiert oder ihr es lustig findet, dann wünsche ich euch weiterhin viel Spaß beim Lesen.