Feucht. Kalt. Finster. Modrig. Ein leuchtendes Kerzenmeer erhellt den städtischen Friedhof. Der Spätherbst, eingehüllt in seiner dichten Nebeldecke, riecht wie der tote Sperling unter dem faulenden Weinlaub. Es riecht nach Tod und Sterblichkeit. Es riecht nicht gut! Während sich Tiere und Pflanzen auf ihre Rast vorbereiten und die Tage unaufhörlich kürzer werden, denke ich über die vergangene Zeit nach. Wundervolle und weniger schöne Erlebnisse, sowie gute und weniger gute Entscheidungen lasse ich Revue passieren. Erlebnisse, an die ich mich sehr gerne oder weniger gerne zurück erinnere. Entscheidungen, die perfekt getroffen wurden oder sich auch ab und zu im Nachhinein als Fehler entpuppt haben. Jedoch ausnahmslos beeinflusst und erlebt von einem Individuum mit klarem Verstand und kostbarster Gesundheit.

Gesundheit! Ein wertvoller Zustand, doch leider auch in meinem Alter keine Selbstverständlichkeit mehr. Krebs und andere schreckliche Krankheiten wüten durch alle Altersschichten und machen längst vor niemanden Halt. Diagnosen ändern Prioritäten, Lebensziele und Zukunftspläne. Allgegenwärtig, auch der Tod. Ich habe Angst vor dem Tod. Keine Angst vor der Vergänglichkeit, sondern davor, dass der Tod unsere Richtung meist schmerzlich verändert und eine traurige Entscheidung für uns trifft.

Der Tod beendet also ein Leben! Darf aber nur er der Einzige sein, der über den Zeitpunkt bestimmt? Wir sind es doch, die die guten und die schlechten Entscheidungen treffen oder darüber urteilen können, ob wir Erlebnisse, sei es gesund oder schwer krank, als gut oder weniger gut empfinden. Ich denke, dass infolgedessen nur der Tod und die betroffene Person in der Lage sind, die richtige Entscheidung für den Zeitpunkt zu treffen. Kein Gesetz und keine andere Person. Ich weiß nicht wie ich entscheiden würde, aber ich möchte zumindest die Möglichkeit zur Entscheidung haben.