Okonomiyaki, Hochgeschwindigkeitszüge & Onsen-Regeln

Gestern Abend wollten wir uns ja noch „eine Kleinigkeit“ zu essen holen. Wie das in Japan meistens so läuft, wird aus einer Kleinigkeit dann doch wieder ein kleines Erlebnis. Wir sind einfach ein Stück die Straße entlang geschlendert und haben ein Teppan-Lokal entdeckt, nur ein paar Minuten vom Hotel entfernt. Von außen schon super einladend, innen dann dieser typische Mix aus warmem Licht, Brutzeln und dem Kratzen der Teppan-Spachteln auf dem Teppangrill. Genau die Art von Stimmung, die man nach einem langen Tag sucht.

Endlich Okonomiyaki!!!!

In Japan gibt es zwei große Lager: Osaka-Style und Hiroshima-Style.

  • Beim Osaka-Style werden alle Zutaten – also Kraut, Teig, Ei und das Topping – zu einer fluffigen „Omelette“-Masse vermischt und gemeinsam auf dem Teppan gebraten.
  • Beim Hiroshima-Style hingegen wird das Ganze geschichtet: erst der Teig, dann das Kraut, dann weitere Schichten und am Ende kommt oft noch eine Portion Yakisoba oder Udon dazu. Deutlich komplexer, aber unglaublich gut.

Fritz war jedenfalls leicht nervös, weil er dachte, dass er sein Okonomiyaki selbst zubereiten muss. Diese Teppan-Tische sehen ja manchmal so aus, als wäre man plötzlich der eigene Koch. Aber keine Sorge: Die Profis im Lokal haben das übernommen! Fritz hat sich ein Okonomiyaki mit Pork Belly gegönnt, ich eines mit Seafood.

Und ja, ich weiß: als Vegetarier mit gelegentlicher Fisch-Ausnahme gerät man in Japan schnell in eine kleine Identitätskrise. Aber wenn ich hier konsequent jeden Fisch ablehnen würde, hätte ich vermutlich 3,5 Wochen lang nur Reis oder Nudeln vor mir. Es ist nämlich sonst überall FLEISCH oder zumindest Dashi (das basiert auf Fisch) drinnen. ÜBERALL. Außerdem mache ich daheim auch ab und zu eine Ausnahme, wenn es regional ist. Und hier ist quasi alles regional, also rede ich mir das einfach schön. Haha.

Nachdem wir uns satt und glücklich gegessen hatten, ging es direkt zurück ins Hotel. Fritz hat sich gleich an ein paar Insta-Stories gesetzt, während ich neugierig den Status unserer Rucksäcke checken wollte. Die hatten wir ja gestern ins nächste Hotel nach Takamatsu verschickt. Abends standen sie allerdings noch immer in der Lobby und da war ich kurz verunsichert, ob wir nicht doch noch ein Notfallunterhoserl holen sollten. haha

Aber heute Morgen dann die Erleichterung: Dank meiner Airtags sah ich, dass unsere beiden Rucksäcke schon in Takamatsu angekommen sind. Und wir selbst brechen erst heute dorthin auf! Bedeutet: Wir können unseren Transfertag viel entspannter gestalten und sogar etwas Programm einbauen. Wirklich ein großartiger Service.

Airtag Spy 🙂

Vom Hotel aus sind wir losgestartet und haben uns einmal quer durch die Shimbashi Shopping Arcaden geschlängelt. Diese überdachten Einkaufsstraßen in denen man immer denkt: „Aha, hier endet die Arcade.“ Und dann endet sie nicht. Nie. Man könnte vermutlich bis Kyoto durchgehen, ohne jemals das Dach über dem Kopf zu verlieren.

Hier stehen schon die Leute an und können das Öffnen kaum mehr erwarten

Irgendwo bei Hommachi sind wir dann rausgekommen und haben den Zug gesucht. Und ja, ich musste zum ersten Mal wirklich nach dem Weg fragen. Die Beschilderung ist sonst immer so gut, dass man sich eigentlich nur verlaufen kann, wenn man aktiv versucht, sich selbst zu verwirren. Aber diesmal war es ein bissl tricky.

Und für alle, die glauben, dass man in Japan in den Öffis nur kryptische Schriftzeichen sieht: Nope. Hier ist alles perfekt zweisprachig beschriftet.

Ganz ehrlich, ich finde mich in Japan in den Öffis mittlerweile besser zurecht als in Linz. In Linz weiß ich bis heute nicht, welches Ticket ich für die Bim brauche. Mini, Midi, Maxi … krixikraxi. In Japan pack ich meine IC-Card, steig wie ein lokaler Pendler in den Zug und weiß exakt, wo ich rauskomme. Lifehack: Fahrt einfach nach Japan, wenn ihr so wie ich die Öffis in Linz nicht versteht. 😀

Von Osaka starten die Shinkansen beim Bahnhof Shin-Osaka und dort sind wir dann wieder ein bissl herumstrawanzt. Ich konnte mich gar noch an den kleinen Shop erinnern, bei dem ich vor zwei Jahren schonmal Snacks gekauft habe. Danach ging es auf die Suche nach unserem Bahnsteig. Wieder alles super beschriftet. Wenn man lesen kann, ist das wie ein Selbstläufer: Einstiegspunkt, Wagennummer, Sitzplatz – alles flutscht und funkt.

Fritz behauptet übrigens bis jetzt, dass unser Shinkansen ein paar Sekunden verspätet abgefahren ist. Ich glaube ihm kein Wort. Japan und „Verspätung“ in einem Satz? Ich bitte dich.

Die Fahrt selbst war wie immer ein Erlebnis. Ich liebe Shinkansen, denn es fühlt sich jedes Mal an, als würde der Zug gleich abheben. Ist wahrscheinlich normal, wenn man mit ~300 km/h durch Städte bzw. Landschaft schießt. 44 Minuten, für 180 Kilometer!!! Für die Strecke Wien Hauptbahnhof – Linz Hauptbahnhof (=181km) benötigt die ÖBB mit dem Railjet Express 1 Stunde und 34 Minuten. Ich denke, dass mit diesem Beispiel plakativer wird, wie lahmarschig wir zuhause unterwegs sind. Gesetzt den Fall, dass der Railjet überhaupt daherkommt oder pünktlich ist. haha

In Okayama sind wir dann umgestiegen in den Expresszug nach Takamatsu. Dieser Zug fährt über die Seto Ohashi Brücke. Ein Wahnsinn, wie schön diese Überfahrt ist. Meer, Inseln, Brückenpfeiler, ein bissl Herbstsonne. Wir haben beide gegrinst wie zwei Hutschpferde.

Hier noch die heutige hyperspeed Route durch Stadt, Land und Tunnel

Warum eigentlich Takamatsu und die Region Kagawa?

Ich habe ja schon einmal erwähnt, dass wir die Partnerstadt von Eisenstadt besuchen wollen. Die heißt Shido, sie wurde allerdings mittlerweile als Stadtteil in die größere Stadt Sanuki eingemeindet. Aber egal, morgen steht trotzdem ein Besuch von Shido am Programm. Wir treffen dort Takagi-san, welche uns als ehrenamtliche Fremdenführerin begleiten wird. Dazu allerdings morgen mehr. 

Jetzt könnte man denken, ich hätte das alles strategisch geplant, voll durchrecherchiert und mit Reiseführer und Excel-Liste aufeinander abgestimmt. Gell? Na, eher nicht. Eigentlich ist es nämlich ziemlich zufällig passiert.

Ich habe vor ein paar Jahren am Bahnhof in Linz (deshalb auch die Seitenhiebe in Richtung Linz lol) im Café Stellwerk gesessen und drei Japaner belauscht/beobachtet, die komplett überfordert die Mehlspeisenkarte studiert haben. Als sie Tirmamisu statt Topfenstrudel bestellen wollten bin ich eingeschritten. Als Dank haben sie mir erzählt, dass sie aus der Region um Takamatsu kommen. Sie haben mir dann einfach spontan auf Google Maps ihre Lieblingsplätze eingezeichnet. So richtig oldschool, mit Begeisterung, Zoombewegungen und „You must go here!!“-Energie.

Und jetzt, Jahre später, folge ich tatsächlich ihren Empfehlungen wie eine Art kulinarisch-kulturelle Schatzkarte und besuche die grünen Fähnchen, welche sie eingezeichnet haben. Und siehe da: Shido liegt zufällig gleich daneben. Also einerseits Partnerstadt, andererseits Mehlspeis-Schicksal. So haben wir unsere Route geplant. Oder anders gesagt: Österreichische Mehlspeisen haben mich nach Kagawa geführt. Kann man eigentlich auch nicht erfinden. Dass ich allerdings im besagten Cafe gewartet habe, war der ÖBB und einem 35 Minuten verspäteten Railjet zu „verdanken“. hahahahaha

In Takamatsu angekommen, sind wir gleich vom Bahnhof ins Takamatsu Sky Building rauf. Die Aussicht dort oben ist nicht nur kostenlos, sondern es gibt auch eine nette Bar. Was will man mehr? Genau! Gutes Wetter. Das Wetter ist hier bis jetzt echt optimal und unterschiedlich. Von bewölkten 15° Grad Celsius mit Wind (da tut dem Fritz schon eine Haube und mir ein Stirnband gut), bis kurzärmlig bei sonnigen 19° Grad Celsius hatten wir schon alles. Es war aber bis jetzt eigentlich durchgängig schön und es fühlt sich nicht herbstlich, sondern frühlingshaft an. Die Lichtstimmung erinnert mich ein wenig an den Herbst bei uns, aber definitiv nicht von den Temperaturen. Und wenn ich mitbekomme, wie ihr zuhause schon tagelang im Nebel versinkt, bin ich froh, grad nicht zuhause zu sein.

Mein Japanisch läuft inzwischen übrigens erstaunlich gut. Bestellen: kein Problem. Smalltalk: ok. Und heute hab ich sogar eine komplette Wegbeschreibung verstanden. Sehr praktisch, wenn man, wie wir, versucht beim falschen Dormy Inn Hotel einzuchecken. Wusste ich, dass es in Takamatsu zwei gibt? Nein. Hätte ich das genauer berücksichtigen können? Vielleicht. hahaha

Beim richtigen Hotel angekommen, lief der Check-in komplett auf Japanisch ab. Ich hab wirklich alles verstanden. Also nicht jedes einzelne Wort, aber den Sinn. Fritz war völlig baff und auch ein bissl stolz. Wir haben dann auch sofort unsere Rucksäcke bekommen, aber dank der Airtags wusste ich ja schon vorher, dass sie hier irgendwo rumliegen.

Und jetzt zu meinem neuesten Problemchen des Tages: In Japan sind ja in den meisten öffentlichen Onsen Tattoos verboten.

Was ist ein Onsen?

Ein Onsen ist ein traditionelles japanisches Thermalbad, also ein heißes, natürliches Quellwasserbad. Ein Ort zum Durchatmen, Entspannen und sich wie ein gedämpftes Gyoza oder Germknödl fühlen.

Und warum sind Tattoos ein Problem?

In Japan werden Tattoos historisch oft mit der Yakuza, also der organisierten Kriminalität (Mafia), assoziiert. Viele Onsen wollen deshalb vermeiden, dass Gäste sich unwohl fühlen und daher kommt das generelle Tattoo-Verbot. Keine Sorge: niemand glaubt, dass ich zur Yakuza gehöre. Aber Regeln sind Regeln.

In vielen touristischen Gegenden Japans darf man mittlerweile auch mit Tattoos in den Onsen, weil sich die Regeln dort langsam lockern. Städte wie Tokyo, Osaka, Kyoto oder stark besuchte Hotspots haben oft eigene „Tattoo-Friendly“-Onsen oder zumindest Bereiche, wo es niemanden stört. Bei unserem ersten Japantrip hatte ich weder in Kyoto noch in Koya ein Problem.

Takamatsu ist aber nicht ganz so touristisch und dort ist man noch etwas klassischer unterwegs. Deshalb gelten die traditionellen Regeln hier meistens strenger. Unser Hotel hält also ebenfalls an den Regeln fest. Das heißt für mich: entweder Tattoos zukleben (es gibt an der Rezeption so kleine Patches für bunte Leute wie mich) oder Fritz alleine plantschen lassen. Beide Optionen haben ihren Charme, haha.

Natürlich waren wir heute direkt Udon Nudeln essen. Die dicken schlonzigen Nudeln fühlen sich an, als würde man in eine Wolke beißen. Sie werden in würziger Suppe mit unterschiedlichen Toppings serviert. Fritz hatte was Fleischiges und ich frittierten Tofu und Gemüsetempura.

Takamatsu gilt übrigens als die Udon-Hauptstadt Japans, was erklärt, warum die Nudeln hier so unfassbar gut sind. Ich schwöre, die rutschen runter wie Seide und man fühlt sich nach einer Schüssel, als hätte man gerade ein Wellnessprogramm fürs Innenleben gebucht. Wir sind ja jetzt die nächsten vier Tage hier und ich denke, dass ich in dieser Zeit noch mindestens 4-mal Udon essen werde. 😀

Ein voller Tag zwischen Hochgeschwindigkeitszügen, Udon und ein bissl Sightseeing liegt hinter uns. Morgen geht es weiter mit Shido, Partnerstadt-Vibes und neuen Abenteuern, die garantiert für neue „flüssige“ Geschichten sorgen werden. 明日はワイナリーも訪問する予定です。:-)

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