Shido, Sanuki & ganz viel japanische Herzlichkeit

Ich habe gestern großspurig behauptet, dass ich in den nächsten vier Tagen sicher viermal Udon essen werde. Es stellt sich nun heraus, dass ich falsch lag, denn Udon gibt es hier sogar schon zum Frühstück. Dh. bis Dienstag gehen sich noch ein paar Mal aus. haha Fritz ist wirklich tapfer. Ich weiß nicht, wie sehr er sein Honigsemmerl vermisst, aber er wirkt noch immer glücklich und zufrieden. Trotz Suppe, Nudeln, Reis und sonstigen herzhaften Überraschungen um 7:00 Uhr morgens. Fritz wird sich allerdings demnächst selber dazu im Blog äußern.

Heute stand unser Ausflug nach Shido am Programm. Die Zugfahrt dauerte etwa 45 Minuten und führte teilweise direkt am Meer entlang. Kitschig, wunderschön und irgendwie genau das, was man sich unter einem perfekten Japan-Moment vorstellt. In Shido trafen wir unsere ehrenamtliche Fremdenführerin Erika-san. Sie hat einige Jahre in den USA gelebt, spricht besser Englisch als wir beide zusammen und hat uns super-mega-ultra-fantastisch durch den gesamten Tag begleitet. Eine absolute Bereicherung.

Unser erster Stopp war das さぬき市野外音楽広場テアトロン – Sanuki City Outdoor Music Theater. Danach spazierten wir zu einer unfassbar schönen Location namens 時の納屋 – Barn of Time. Dort haben wir gegessen und beschlossen: Falls wir jemals auswandern, dann bitte genau dorthin. Ein Traumort mit einem grandiosen Blick, viel Natur, kreisenden Falken über uns und so mildem Wetter, dass wir den ganzen Tag kurzärmlig herumliefen.

Panorama zur Seto See

Zu Essen gab es für mich Onigiri mit vielen Beilagen, für Fritz ein Beef Curry und für Erika ein Shrimp Sandwich. Fun Fact am Rande: So ein Lokal hätte bei uns definitiv Alkohol verkauft, in Japan aber Fehlanzeige.

Daher zogen wir anschließend direkt weiter zur Sanuki Winery. Prioritäten müssen schließlich gesetzt werden. Dort besichtigten wir den Betrieb und machten eine Weinverkostung. Die Weine erinnerten teils an Italien, teils an Österreich. Sie schmeckten aber natürlich komplett anders als zuhause. Ob wir die Weine auch in Österreich mögen würden? Wahrscheinlich eher nicht. Aber das ist wie im Griechenland-Urlaub: Dort kippt man auch den Hauswein rein wie Wasser, zuhause würde er einem allerdings nicht mehr schmecken. Es passt einfach zu Zeit, Ort und Stimmung. Und heute hat alles zu 100 % gepasst.

Von der Winery ging es weiter zum buddhistischen Tempel 奪衣婆堂 – „Shido-ji“. Erika erklärte uns dort die Rituale und Verhaltensweisen, und wir tauchten ein Stück tiefer in die japanische Spiritualität ein. Danach besuchten wir noch einen japanischen Garten und schließlich das Gennai Hiraga Museum, wo wir uns natürlich auch im Besucherbuch verewigten.

Zum Abschluss gab es noch einen gemütlichen Kaffee, bevor wir uns am späten Nachmittag wieder zurück auf den Weg nach Takamatsu machten. In Takamatsu sind wir dann direkt im Pokémon Center gelandet. Ich habe dies auch auf Instagram gepostet und ich fürchte, dass ich ca. 200 Kilo Pokémon-Merch nach Hause bringen muss, weil offenbar die halbe Freundes- und Bekanntenliste geheime Pikachu-Verehrer sind. Ich mache es aber gerne.

Gerade sind wir vom Abendessen zurückgekommen. Heute waren wir in einem klassischen Izakaya. (Ein „Izakaya“ ist im Grunde ein japanisches Wirtshaus. Eine Mischung aus Bar, Beisl und Tapaslokal. Man bestellt viele kleine Gerichte, trinkt Bier oder Sake und fühlt sich nach kurzer Zeit wie daheim. Anmerkung der Redaktion: In Japan darf man auf der Straße nicht rauchen, aber in einem Izakaya schon.haha

Wir haben dort vermutlich ein wenig den Altersdurchschnitt gehoben, aber völlig egal, denn die Bierflaschen hatten 663 Milliliter. Genug gesagt. Das Essen war großartig, die Stimmung lebendig und das Bier… naja, 663 Milliliter eben.

Alles in allem: Ein wunderbarer Tag. Und die Gesellschaft von Erika war das absolute Highlight. Sie hat uns echte Einblicke in das Leben hier gegeben. Warmherzig, humorvoll und voller Begeisterung für ihre Heimat. Wir hoffen jedenfalls, dass wir uns mal bei Erika revanchieren können, falls sie mal nach Österreich kommt.

Erika arbeitet übrigens ehrenamtlich für die SGG (https://www.kagawasgg.com), eine Organisation, die Touristen kostenlos Guides zur Verfügung stellt. Absolut freiwillig, ohne Bezahlung. Wir finden das unglaublich großartig und sind zutiefst dankbar für diese Möglichkeit. Solche Organisationen gibt es in ganz Japan. Wenn es euch interessiert, kann ich euch dazu individuell gerne detaillierte Infos geben.

Morgen geht es weiter! Dann besuchen wir die Kunstinsel Naoshima mit Sato-San. Da die Fähre über eine Stunde fährt und der Wecker früh läutet, ist jetzt Schluss mit lustig. Wir fallen ins Bett, mit voller Vorfreude auf morgen, denn der Wetterbericht meint es weiterhin gut mit uns.

Gute Nacht bzw. おやすみ (Oyasumi) aus Takamatsu!

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