Der „Wir tun heut nix“-Tag, der dann doch 22.000 Schritte hatte

Heute haben wir es uns gegönnt: Ausschlafen war angesagt. Also wirklich ausschlafen. Und trotzdem mussten wir dann irgendwie in der Früh schon ein bisschen Gas geben, weil die letzte Bestellannahme für das Frühstück im Hotel um 8:30 Uhr ist. „Stress“ am Morgen, aber immerhin mit Frühstück.

Eigentlich hatten wir heute gar kein Programm. So richtig gar keins. Ich hab diesen Tag bewusst als Puffer zum gepflegten Nichtstun eingeplant. Ein bisschen chillen, ein bisschen shoppen, ein bisschen essen, trinken… ihr kennt es.

Nach dem Frühstück sind wir dann aber doch kurz aktiv geworden und in den Waschsalon gegangen. 1100 Yen später war die Wäsche gewaschen und getrocknet.

An dieser Stelle möchte ich kurz zeigen, wie sich Japaner im öffentlichen Raum „bewegen“. Ihr seht hier ein Foto vom Eingang des Waschsalons. In Japan zieht ja man grundsätzlich direkt beim Eingang die Schuhe aus (beim sogenannten Genkan), aber im öffentlichen Bereich sieht man ebenfalls genau, ob Japaner oder Urlauber z.B. den Waschsalon besucht haben. Warum sag ich sowas? Seht selbst:

ready to go vs. turn around the Schlapfn haha

Wenn Japaner den Waschsalon verlassen, dann stellen sie die „Waschsalon-Schlapfen“ (ja, es gibt dort eigene Schlapfen, weil man ja mit Schuhen nicht den Raum betritt) wieder so hin, dass der nächste Waschsalonkunde nur in die Schlapfen reinsteigen muss. Der Schlapfenträger ganz links war also garantiert ein Tourist. Hat zwar die Schlapfen genutzt, aber der oder die Nächste war ihm Wurscht. haha

Die Wartezeit haben wir vertrödelt und sind in den Ritsurin Garden gewandert. Ein wunderschöner klassischer japanischer Garten mitten in der Stadt, ein echtes Natur-Eiland für die Seele. Und ich schwöre, mein inneres Greenkeeping-Rasen-Gen ist komplett ausgerastet. Ich hätte dort am liebsten mit den Jungs zusammen den Rasen gemäht. Perfekt ist der schon, aber ich hätte ihn perfekter gemacht. 😀

Zurück im Hotel haben wir die frische Wäsche abgeworfen, und dann ging es für mich ins Pokémon Center. Natürlich brauche ich ja selber nicht wirklich was. Scheinbar brauche ich aber spätestens in Okinawa einen Zusatztrolley, weil ich so viel aus den Pokemon-Centern mitbringen soll. Ich werde langsam zum internationalen Souvenir-Transportdienst. hahaha

Am Nachmittag ist das Wetter ein bisschen schlechter geworden. Nix Dramatisches, aber man hat schon gemerkt, dass sich was zusammenbraut. Die nächsten Tage soll es etwas kühler werden, aber ich bin guter Dinge, dass wir weiterhin trocken bleiben, also zumindest äußerlich. Haha. Vielleicht liegt das alles ja daran, dass wir Takamatsu und die Präfektur Kagawa morgen verlassen. So ein kleines dramatisches Abschieds-Wetter, weißt eh.

Später ging es weiter zur Burg bzw. den Ruinen der Burg Takamatsu, dann eine Runde Soba essen, eine Runde Pikachu-Donut-su essen, danach runter zum Hafen zum Leuchtturm und den Liminal Air Säulen. Und schwupps war unser „Wir tun heute wirklich nicht viel“-Tag plötzlich ein 22.000 Schritte Tag.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Ich habe in den letzten zwei Tagen gleich zweimal ein Lob von Einheimischen bekommen, weil ich so gut mit Stäbchen essen kann. Und zwar komplett unabhängig voneinander! Nur damit hier keine Unterstellungen aufkommen, das waren wirklich echte, ehrliche japanische Komplimente. 😀
Ich nehm das jetzt als offiziellen Beweis, dass ich zumindest kulinarisch schon halb integriert bin. haha

Am Abend landeten wir noch in einem Izakaya. Die Stimmung war gut, der Sake war noch besser. Was soll ich sagen: Ich war spätestens ab dem dritten „Mokkiri-zake“ auf dem Weg zu „Frrrriiiiiitz, gehst du mit mir Karaoke-Singen“. Leider habe ich Fritz trotzdem nicht überreden können, Karaoke mit mir zu singen. Beschwerden bitte direkt an ihn! 🙂

Ihr fragt euch, was Mokkiri-zake ist?

Mokkiri-zake ist eine traditionelle Art, Sake zu servieren: Du bekommst ein kleines Glas in einer Schale (masu), und dann wird eingeschenkt, bis das Glas so übervoll ist, dass der Sake in die Schale überläuft.

Der Sinn dahinter? Gastfreundschaft, Großzügigkeit und ein bisschen „wir lassen es krachen“. Der Gastgeber zeigt damit, dass er dich nicht bescheißt, sondern dir richtig einschenkt. Es ist also völlig normal, dass alles übergeht. Genau das ist das Zeichen der Wertschätzung. Wenn man runtergeschlürft hat, schüttet man den Sake aus der Schale wieder ins Glas und schwupps hat man einen Schwipps. 🙂

Ich musste bei allen übergelaufenen Gläsern an Fred H. denken, der mich zu früheren Zeiten immer „angefeindet“ hat, wenn ich ihm ein Achterl Rotwein in einer Karaffe serviert hab. Sein „geh weg mit dem Spucknapf, schenk lieber gscheit ein“ sind mir noch immer in Erinnerung. Er hätte also Freude an Mokkiri-zake gehabt, allerdings nur, wenn es Rotwein gewesen wäre. haha

Zurück zum Abend: Nachdem Fritz sich trotz aller Versuche nicht zum Singen überreden ließ, sind wir ins Hotel zurück. Ich schreibe Blog, er postet Stories und es wird wieder langsam Rucksack gepackt. Morgen schicken wir unser großes Gepäck nach Nagasaki voraus und wir selbst gurken dann mit diversen Zügen nach Fukuoka. Hakata und Kapselhotel, here we come!

Morgen geht es von Takamatsu nach Okayama und dann nach Hakata

Fukuoka schauen wir uns dann gemütlich am Nachmittag an, weil vorher noch etwa drei Stunden Zugfahrt vor uns liegen. Wir schlafen dann in Hakata in einem Kapselhotel und treffen dann anschließend am nächsten Tag in Nagasaki wieder auf unseren großen Rucksack. (dieser ist, weil wir heute brav waren, wieder nur mit frischer Wäsche bestückt hehe)

Und ja… das „Ich werde in Japan Autofahren“-Thema rückt unaufhaltsam näher. Wir sind in den letzten Tagen zweimal Mal Taxi gefahren und ich habe gedanklich schon mitgeübt. Trotzdem: Linksverkehr… ich sag es ehrlich… ich kack mir schon ein bissl in die Hose.

Aber: I WILL DO IT! Und ein paar Tage kann ich noch beobachten haha

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