Die Nacht im „MRT“ – eine Überraschung
Wider Erwarten haben wir beide im Kapselhotel erstaunlich gut geschlafen. Naja… fast. Gegen fünf Uhr hat ein Schnarcher losgelegt, der wahrscheinlich sogar noch im nächsten Stadtteil hörbar war.
Ich: Noise-Cancelling-Kopfhörer rein, Bayern-3-True-Crime-Podcast gestartet und trotzdem hab ich mich so in Rage gehört, dass ich den Typen übertönt bekommen habe. Ich hatte kurz den Gedanken, ihn mit einem Kissen zu ersticken, aber offenbar war jemand anders schneller genervt. Es gab ein seltsames Geräusch und dann war Ruhe. Ich möchte nicht wissen, was da passiert ist, aber für einen kurzen Moment hab ich mir Sorgen um Fritz gemacht. Fritz lag allerdings ganz woanders, schnarcht selten und hat vom ganzen Drama absolut NICHTS mitbekommen.
Was halten wir jetzt von einem Kapselhotel?
Einmal Kapselhotel? Ja. Für den ganzen Urlaub? Nein. Privatsphäre gibt es halt nicht viel, aber für 25 € pro Person war es für eine Nacht absolut okay. Locker + Handtücher + Pyjama + Slipper + gratis Pflegeprodukte = alles sauber, alles angenehm, kein Ekelfaktor. Und in Japan ist das ja sowieso alles hyperhygienisch.



Frühstart Richtung Nagasaki
Unser Wecker hat schon um 6:30 Uhr gescheppert bzw. vibriert, damit uns niemand aus den Kapseln killt. Kurz wach werden, Handgepäck schultern, Snacks am Bahnhof Hakata holen und dann um 8:12 Uhr in den Limited Express Relay Kamome Richtung Takeo-Onsen. Klingt aufregen, aber ist wie eine Fahrt mit dem Railjet über den Semmering bzw. durch den Raum Bruck an der Leith. Also nix zu sehen, recht langsam und fad. haha
In Takeo-Onsen ging es direkt am gegenüberliegenden Gleis in den Shinkansen weiter. Leider ist die Strecke noch nicht durchgehend, aber die 31 Minuten bis Nagasaki waren ein absoluter Blur. Vier Stopps, viel Geschwindigkeit und meine Shinkansenliebe schießt inzwischen sowieso durch jede Decke. Unumstritten hörbar. haha






Ankommen & Aufwärmen – Kaffee mit Überraschung
In Nagasaki angekommen war es uns plötzlich relativ frisch. Nicht wirklich kalt-kalt, aber wir sind von den letzten Tagen etwas verwöhnt-wöhnt. Also rein ins nächstbeste Kaffeehaus, eines dieser urigen, alten Dinger, bei denen die Zeit irgendwo in den 60ern beim Malzkaffee stehen geblieben ist. Mein Kaffee war so dünn, dass ich den Tassenboden sehen konnte. Fritz hatte einen „Wiener Kaffee“ (Japanisch: Wien Cohii), und ich glaube, der Schlagobers war das Einzige, was den Geschmack gerettet hat. haha



Weil es immer noch frisch war, sind wir zum Aufwärmen auch noch Ramen essen gegangen. Ich musste mal wieder über meinen Schatten springen: Bestellt hab ich Gemüse-Miso-Ramen, bekommen hab ich Gemüse-Miso-Ramen, aber oben drauf gefühlt zwei Kilo Bonitoflocken und ein paar Brösel Faschiertes. Der Kampf „Vegetarier in Japan“ ist real. Ich schubse das Zeug einfach weg, oder schubse es Fritz rüber und rede es mir schön. Hilft. Meistens, weil sonst muss ich hier Hunger leiden. Vorhin im Supermarkt war das einzig vegetarisch gefüllte „Weckerl“ ein Dreierpack Tramezzini… eines mit Ei, eines mit Thunfisch und eines mit Schinken. hahahaha

Die Nagasaki-Wanderung, die eigentlich keine sein sollte
Wir wollten die Zeit nur überbrücken, weil wir erst um 15 Uhr ins Hotel konnten. Unsere Rucksäcke waren unterwegs, also dachten wir uns: „Gehen wir eine Runde.“ Blöd nur, dass unsere „Runde“ ungefähr einem halben Stadt-Marathon entsprach.
Wir sind halb Nagasaki abgelaufen, inklusive Berg, Stufen, Hügel, Treppen und haben ein paar sehr „originelle“ Wohngegenden gesehen. Ein bisschen Flodder-Vibe, ein bisschen verwinkeltes Altstadtgefühl, zwischen Grabsteinen, Müllhalden und Bruchbuden.
Zwischendurch ein Highlight, das ich heute auch unbedingt dokumentieren muss. Fritz hat heute auch mal beim Rückweg zum Hotel navigiert. Ich hielt mich zurück und hab es genossen mal nichts zu denken. Bis wir irgendwann rechts abbogen und ich zu 100 % sicher war, dass das falsch ist. Ich frage mal kurz nach und Fritz schießt direkt mit dem „Wenn mal net was nach deiner Pfeifn geht, is gleich falsch!“ Giftpfeil. 🙂 Wir standen dann allerdings beim falschen Dormy Inn Hotel. Wir schlafen im Dormy Inn Premium, aber wir standen vorm Dormy Inn Shinchi Chukagai.
Stille……..
Ich implodierte lautlos. (weil lachen hab ich mich an dieser Stelle echt nicht getraut haha)
Große Liebe für Fritz, den Navi-Gott. Er ist und bleibt der beste Travelbuddy von hier bis Texas!!! <3
Was wir heute alles gesehen haben
Märtyrerdenkmal: 26 Christen wurden hier einst hingerichtet. Dunkle Geschichte, aber beeindruckender Ort.
Kathedrale (mit Schuhen!): Ja. Wir sind reingegangen. Mit SCHUHEN. Wir wären fast selbst zu Märtyrern geworden. haha
Hügelwanderung: Viele Stufen, viele enge Wege, viele schräge Ecken. Nicht das typische Japan, aber sehr spannend zu sehen.
Hafen & Park: Die japanische Copa Kagrana und den Nagasaki Seaside Park, wo wir neben Herbstlaub auch einen Blick auf die Diamond Princess, jenes Kreuzfahrtschiff, das zu Covid-Zeiten wochenlang vor Japan festhing, geworfen haben.
Dejima: Die Altstadtinsel mit Dorfmuseum, ein bisschen wie das japanische Mönchhof. Charmant, leicht skurril, sehr lokal.









Wir haben also doch wieder 20.000 Schritte geschafft. Was steht dann heute zum Abendprogramm an? Nix.
Wir chillen. Wir snacken. Fritz postet Stories (dauert wie immer). Ich schreib Blog (dauert auch). Später gehen wir noch im Hotel Soba (Nudeln) essen, weil das zwischen 21:30 und 23 Uhr angeboten wird. Und dann schlafen wir wieder im Kuschelbett statt in einer Kapsel.
Morgen wartet Großes: Atomic Bomb Museum, Peace Park & Co.
Wir sind gespannt.

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