Angstschweiß, Schwefelduft & ein Onsen fürs Herz

Heute ging es schon in der Früh rund. Wir, schwer bepackt wie zwei Packesel beim Almabtrieb, sind nach dem Frühstück Richtung Bahnhof gewackelt. Dort rein in den Shinkansen bis Takeo-Onsen und dann weiter mit dem Relay Kamome zurück nach Fukuoka/Hakata.

In Hakata angekommen, haben wir uns erstmal einen Kaffee gegönnt und dann ging es auch schon weiter: wie gestern angekündigt, ab ins Taxi und rüber zur Flughafen-Autovermietung. Ich war FROH über diese Entscheidung! Vor uns fuhr so ein Wastl, der sich maßlos überschätzt hat. Den Stadtverkehr hätte ich gleich zu Beginn auch nicht gepackt, aber so ging mein Plan dann echt wirklich auf. Step by Step uuuhhh Baby.

Und jetzt kommt der Teil, an dem ich mir dann selbst denke: Warum, um Himmels willen, tu ich mir sowas an?!

Bei der Autovermietung angekommen, wurden wir erstmal mit einer Ladung Papierkram erschlagen. Vertragsdingsbums, Versicherungen und die herrliche Liste mit: „Was tun Sie im Falle eines Unfalles?“ Ähm… hoffentlich nix, weil hoffentlich passiert nix. Danke fürs Gespräch. Nach den ganzen Erklärungen war mir echt ganz anders.

Dann kam das Auto. Und der Linksverkehr. Und mein persönlicher Härtetest. Die ersten Meter: „OH. MEIN. GOTT.“

Erste Kreuzung: Ich wollte alle vorfahren lassen, aber die fahren nicht, weil sie alle so rücksichtsvoll sind. lol

Vierte Kreuzung: Ich hab mich gefragt, ob der Mietvertrag ein Rückgaberecht beinhaltet.

Erste Mautstelle mit dem ETC-System: Ich hab innerlich sicherheitshalber mein Testament geschrieben. Zur Erklärung: Ohne ETC-Karte (ist das Mautsystem für Express Ways) muss man bei jeder Mautstelle stehen bleiben und bar zahlen. Mit Karte fährt man einfach durch wie ein VIP. Ich rate euch sich gut zu informieren, wenn ihr auch mal so eine Japanreise plant. Ich habe mich sehr gut vorbereitet bzw. eingelesen und wusste das alles, aber wenn du da blauäugig daherkommst wie manche, hast gleich mal dem Scherm auf.

Aber irgendwann, das war dann wohl der magische Moment, bin ich auf den Expressway aufgefahren und plötzlich war alles nicht mehr so tragisch. Genau, weil wir im Stau standen! hahahaha Es ging dann aber eh recht flott weiter. Klar, alles ist irgendwie anders (alles!), aber es wurde langsam normal. Beim Blicken vertue ich mich noch und der 3-S-Blick ist halt auch so eine Nummer, aber im Großen und Ganzen gehts. Beim Abbiegen passe ich auch extremst auf. Also ich musste mich schon sehr konzentrieren und ich glaub keine 4 Stunden hätte ich nicht durchfahren wollen.

Unsere Fahrtzeit: 2 Stunden für 144 Kilometer.

Warum?

Weil man hier auf der Autobahn maximal 100 fahren darf. Meistens eher 80. Und stellenweise sogar 50 (!). Und trotzdem haben mich alle Japaner überholt, wenn ich mich ans Limit gehalten habe. Warum, weiß ich bis jetzt nicht. Fritz behauptet, dass das angegebene Limit gilt und kein so ein „empfohlene Geschwindigkeit“ ist, aber die meisten halten sich nicht dran. Ich mein, wer fährt schon freiwillig 50 auf der Autobahn? Keine Ahnung.

Zwischendurch haben wir eine Lulu-Pause eingelegt und ich sag es euch: Die Autobahn-Toiletten in Japan sind eine Attraktion für sich. Kein Krümel, kein Dreck, nix grindig. Alles tiptop. And by the way: kostenlos, wie halt sonst auch überall.

Aber die Landschaft: Ein Traum. Kyushu ist einfach zum Niederknien schön. Berge, Wälder, dieses unfassbare Herbstlaub, und überall dampft und raucht es wie auf der Bühne von Rammstein. Manchmal riecht es nach Eierschaaß (Schwefel halt), aber das gehört zur authentischen Japan-Erfahrung.

Ankunft in Beppu und dann BAM OIDA!!!

Wir haben uns einmal kurz verfahren (klassisch), dann das Hotel gefunden und sind dort empfangen worden wie zwei alte Freunde. Gepäck aus dem Auto geholt (nicht von uns, sondern von den Angestellten), reingetragen, alles super freundlich. Und dann das Zimmer.

Alter Verwalter. Meerblick! Ein eigener Onsen! Mit Thermalwasser!! Im Zimmer!!! Da hab ich einen richtigen Goldschatz gebucht. 🙂

Nach dem kleinen Wahnsinns-Zimmer-Freudenanfall sind wir noch schnell raus spazieren, bevor es finster wurde. Auf den Beppu Tower rauf, Aussicht genossen, weiter gelatscht und dann irgendwann zurück zum Hotel.

Das Essen – ein japanisches Überraschungsmenü

Weil wir Halbpension haben, sind wir abends runter zum Essen. Und da standen sie schon: Die Vorspeisen. Fleisch und Fisch, keine Alternative. Ich hab kurz die Augen verdreht, dann tief eingeatmet, und mich meinem Schicksal ergeben.

Ein bissl Hendl (das hatte ich ja gestern schon), ein wenig Wagyu-Rind. Ja, ich hab es probiert und dann ganz elegant zu Fritz rübergeschubbst, der sich eh fast in die Teller reingelegt hätte vor Freude. Mir schmeckt es einfach nimmer. Am schlimmsten finde ich die Konsistenz. brrrr

Aber das selber Grillen war mega lustig.

Dazu gab es eine endlose Reihe an anderen kleinen Speisen: irgendwas Quiche-ähnliches, gedämpftes Ei, Miso-Suppe, eingelegtes Gemüse, Reis, Garnelen, Sashimi und sicher noch 5-10 weitere Kleinigkeiten.

Das Lustigste: Man isst und isst und ist… Aber danach fühlt man sich trotzdem nicht wie nach einem Marathon durchs österreichische Thermenbuffet. Kein Fresskoma, kein Bauchweh, kein „Ich brauch jetzt ein Verdauungsschnapserl“.

Sehr angenehm.

Onsen, Yukata & das Fazit

Nach dem Essen sind wir in unseren eigenen Onsen gehüpft. Ich liebe es. Thermalwasser, Meeresrauschen, absolute Ruhe, herrlich.

Jetzt sitzen wir in unseren Yukatas, eingemummelt in weiche Sitzsäcke und genießen den Abend.

Und mein Resümee vom Tag?

Trau dich einfach manchmal etwas, vor dem du höchsten Respekt oder sogar Schiss hast. Es lohnt sich.

おやすみなさい oder Oyasumi nasai oder Gute Nacht <3

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