Der heutige Tag begann früh, aber freiwillig.
Um 6:51 Uhr standen wir wie zwei topmotivierte Frühaufsteher vor unserem Panoramafenster, halb verschlafen, aber hellwach genug, um den Sonnenaufgang über dem Meer zu bestaunen. Und ja: Meine Lieblingsplatz-See-Vermissung hat sich schlagartig gelegt. So ein Farbenspiel am Morgen kann was und ist einfach viel schöner als der Sonnenuntergang.


Dann ging es weiter zum Frühstück und heute endlich mehr fleischlose Optionen.
Japanisches Frühstück ist ohnehin ein Erlebnis für sich, aber besonders cool war wieder das Ham-&-Eggs-Selberkochen direkt am Tisch. Mein Stück Ham ist natürlich zu Fritz gewandert (wie immer), aber das Mini-Herdplatte-Eierbraten macht einfach jedes Mal Spaß. Japan denkt an alles.
Die „Hells of Beppu“ – sieben Jigokus, viel Dampf & ein bisschen Weltuntergangsfeeling
Heute haben wir uns den berühmten Hells of Beppu (七つの地獄) gewidmet. Sieben geothermal aktive Naturphänomene, die so heiß sind, dass du beim Reinschauen schon zu kochen beginnst.
Wir wollten zuerst mit dem Auto fahren, haben uns aber für den Bus entschieden. Und das war Gott sei Dank die richtige Entscheidung, denn es war Samstag, Vollbetrieb, kaum Parkplätze, und zu Fuß wandelst du in Gassen, in die dich kein Navi reinführt. Gassen mit rauchenden Kanälen, Hinterhöfe, Bambuswald, Urwald… Wie eine Mischung aus Indiana Jones und Mistgstettn Safari. haha
So, zurück zu den Hells of Beppu. Man kann insgesamt folgende sieben besuchen und bestaunen.
1. Umi Jigoku – Die Meeres-Hölle
Türkisblaue, glasklare Wasseroberfläche… aber darunter kochend heiße 98 Grad. Sieht aus wie ein karibischer Pool, ist aber basically Mord.
2. Oniishibozu Jigoku – Die Glatzen-Hölle
Blubbernde, graue Schlammblasen, die aussehen wie die rasierten Köpfe buddhistischer Mönche. Sehr meditativ, wenn man auf kochenden Schlamm steht.
3. Shiraike Jigoku – Die Weiße-Teich-Hölle
Ein milchig-weißer Teich dank Kalzium und anderen Mineralien. Fast schon ästhetisch – wenn er nicht 95 Grad heiß wäre.
4. Kamado Jigoku – Die Kochtopf-Hölle
Dampfende Pools in Rot, Blau und Schlammfarben, überall kleine „Kochstationen“, Maskottchen, Demo-Shows… ein bisschen wie Geologie meets Freizeitpark.
5. Oniyama Jigoku – Die Dämonen-Berg-Hölle
Der heiße Dampf soll ideale Bedingungen für Krokodile schaffen. Ja. Krokodile. Über 70 Stück. Warum? Keine Ahnung. Japan halt.
6. Chinoike Jigoku – Die Berg-Hölle
Ein großer dampfender Pool in blutroter Farbe. Sehr beeindruckend.
7. Tatsumaki Jigoku – Die Geysir-Hölle
Ein echter Geysir, der alle 30–40 Minuten wie eine Rakete hochschießt, aber durch eine Steinmauer gezähmt wird. Sonst würde er ca. 30 Meter hoch spritzen.
Wir waren begeistert von der Hitze, dem Dampf, den Geräuschen, den Farben und davon, wie unglaublich vulkanisch Kyushu ist. Dass es die ganze Zeit einen leichten Eierschaaßgeruch hat, stört nicht wirklich. Es ist echt nicht grauslich. Seht selbst:
Natürlich haben wir bei der Stempelrallye alle sieben Stempel gesammelt. Perfektionistisches Pflichtprogramm.
An dieser Stelle auch noch ein paar Fotos vom heutigen Tag. 🙂













Dampfgaren wie bei Oma – nur mit Vulkan
Bei einem Jigoku haben wir den Leuten beim natürlichen Dampfgaren zugeschaut. Da wird alles in Erdloch-Style gegart: Mais, Süßkartoffeln, Eier und sonstige Überraschungen, aber es war uns zu viel los und wir wollten dort nicht warten.
Wir haben uns nur eine Süßkartoffel geholt und die war echt gut. Aus Dampf von der Erde. Da fühlst du dich sehr „back to the roots“, aber halt schwefelig.



Der große McDonalds-Rückfall
Nach all dem Vulkanismus sind wir dann mit dem Bus ans Meer runtergefahren. Und dann sah ich es. Groß. Gelb. Unvermeidbar. McDonald’s. Ich hab gehadert reinzugehen, aber wir haben uns dann gegenseitig bekräftigt. Haha Big Mac, Hamburger, Chickenburger sehen aus wie daheim.
Alles andere: Einfach anders. Japan halt. Anders ist auch, dass mich dort zwei Damen, die sichtlich schon weit über 70 waren, bedient haben. Das fällt in Japan total oft auf, dass noch sehr viele Ältere arbeiten, oder halt leider arbeiten gehen müssen. Ich hab mir Pommes & Cola gegönnt, Fritz hat sich einen Karamell-Macchiato ins Getriebe gestellt, und wir haben beschlossen, dass dieser kurze Zwischenstopp offiziell als „kultureller Erfahrungsaustausch“ gilt. Haha


Onsen, Meerblick & Vorfreude auf das Abendmenü
Zurück im Hotel sind wir noch einmal in den Onsen gehüpft. Das heisse Wasser macht uns beide so entspannt. Jetzt sitzen wir wieder in unseren Yukatas, schauen aufs Meer hinaus und warten aufs japanische Abendmenü.

Abendessen deluxe
Das heutige Abendessen hat mal wieder alles was wir bisher hatten übertroffen. Wir haben natürlich streckenweise keine Ahnung was wir bekommen haben, aber es war sehr sehr gut. Es war diesmal recht fischlastig und da tu ich mir leichter als bei anderem Fleisch. Es war zwar auch Schweinefleisch am Salat, aber das hab ich genauso wie die Jakobsmuschel aus der Miso-Suppe direkt dem Fritz rübergeschubbst. haha



Was ich identifizieren konnte: Salat mit Schweinefleisch oben drauf, japanischen Lobster (der war irgendwie gratiniert und echt mega), Sashimi (Fritz hat sich wieder über ein Stück Tintenfisch getraut, aber ich konnte den gestern schon kaum beißen – roh ist das echt wie Schuhsohle), Fisch eingelegt in Soja und Sesamöl, japanische Algen (grüne, durchsichtige und violette), hauchdünn aufgeschnittenen rohen Fisch mit einer Rettich/Chili/Paste und Ponzu-Soße, gedämpftes Ei mit irgendwas anderem drinnen, dann gebackenen Fisch mit Algen-Curry, Reis und Miso-Suppe mit einer ganzen Jakobsmuschel… zum Glück gab es zum Dessert nur ein Stück Melone. Ich hätt nix mehr runtergebracht.
ごちそうさまでした – Gochisousamadeshita (Man spricht es: Gotschi so sama deschta) und bedeutet, dass man sich höflich für das gute Essen bedankt.

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