Von Beppu zum Vulkan – und weiter nach Kumamoto

Nach einem weiteren richtig schönen Sonnenaufgang mit Meerblick, Stille, Farben wie aus einem Aquarellkasten und einem üppigen Frühstück (bei dem wir mittlerweile echte Routiniers sind), sind wir heute Richtung Mount Aso aufgebrochen.

Die Fahrt begann allerdings gleich mit einem kleinen Nervenkitzler. Stell dir vor: eine sechsspurige Straße und wir sollen rechts abbiegen. Und wir beide so: „Ähm… Haben wir jetzt grün? Die anderen? Dürfen wir jetzt fahren? Wann? Jetzt? Später? Nie?“

Eine japanische Kreuzung ist ja ohnehin ein eigenes Universum, aber das gleich zu Beginn des Tages? Muss nicht sein, aber danach lief alles erstaunlich gut, und niemand ist uns mit 40 km/h seitlich reingerauscht. Win! Mit überwiegend 40, 50 oder 70km/h ging es dann die ganze Zeit auch weiter. Schneller darf man nicht, kann man aber streckenweise auch gar nicht.

Die Strecke danach war pure Abwechslung:

Für die erste Etappe haben wir ca. 2 Stunden benötigt. Für die Zweite Etappe dann nochmal weitere 1,5 – 2 Stunden. Von „Ich fühl mich wie zwischen Donnerskirchen und Hof am Leithagebirge“ bis zu „Aha, jetzt fahren wir wohl Richtung Obertauern“, oder jetzt sind wir auf der Tangente oder am Gürtel, war so ziemlich alles dabei. Kyushu ist landschaftlich halt einfach wild gemischt.

Nach gut zwei Stunden: Stau. Die glorreiche Idee, bei Sonnenschein an einem Sonntag zum Vulkan zu fahren, hatten überraschenderweise nicht nur wir. Aber immerhin wollten die meisten NICHT raufgehen, sondern direkt bis zum Krater fahren, weshalb wir uns den kostenlosen Fußgängerparkplatz geschnappt und beschlossen haben:

„Wenn wir schon hier sind, gehen wir den Rest halt zu Fuß und bei den Autos im Stau vorbei.“

Ein Burgenländer, der in Tirol beim Spaziergang zum Bäcker ein Sauerstoffgerät braucht, geht einen Vulkan hoch. Eh klar. Aber Überraschung: Es ging richtig gut. Wir sind fast raufgesprintet und Fritz, der Bergfex, sowieso ohne mit der Wimper zu zucken.

Anmerkung der Redaktion: In Japan ist heute Feiertag, nämlich der „Tag der Arbeit“. Da er auf einen Sonntag fällt, haben die Japaner morgen auch frei. Dieses System hätte ich bitte gerne auch in Österreich! Bedeutet aber: viele Leute unterwegs, verlängertes Wochenende, mehr Trubel. Auf der Straße aber nur punktuelles Dahinrollen.

Mount Aso – das friedliche Monster

Oben angekommen, waren wir beide sprachlos. Der Aso-Krater wirkt friedlich, ruhig und wunderschön und gleichzeitig weißt du: Hier unten brodelt etwas, das in Millisekunden alles ändern könnte. Überall Lautsprecherdurchsagen. Menschen mit Herzproblemen oder Asthma sollen Abstand halten bzw. nicht zum Krater gehen, denn jederzeit können Gase austreten.

Aber wir hatten heute Vulkan-Karma Deluxe! Strahlendblauer Himmel, ca. 12 Grad (fühlten sich aber an wie 20) und eine leichte Brise, die den Rauch perfekt in die andere Richtung geblasen hat. Kein Alarm, kein Gasgeruch, keine Sperrzone. Wir konnten alles klar und deutlich sehen. Ein Traum und wir sind uns sicher, dass das extrem viel Glück war! Wir blieben eine ganze Zeit oben, bevor wir wieder gemütlich runterspaziert sind.

Unser nächstes Ziel: Kumamoto.

Die Stadt Kumamoto liegt in der gleichnamigen Präfektur Kumamoto auf der Insel Kyushu, südlich von Aso. Eine größere Stadt, bekannt für seine Burg und sein sehr geliebtes Maskottchen: Kumamon (Kuma heißt auf Japanisch: Bär)

Kumamon ist ein rundlicher, schwarzer Bär mit roten Wangen, der aussieht wie ein gut gelaunter Pandabär nach zwei Gläsern Glühwein. Er ist ÜBERALL. Auf Schildern, auf Souvenirs, auf Snacks, oder auf unserem Bett, auf der Wand oder am Duschvorhang. Der Bär ist dort quasi der Bürgermeister.

Die Fahrt dorthin sollte etwa 1,5 Stunden dauern, wäre da nicht unser Auto-Navi gewesen. Eine Katastrophe sondergleichen. Man braucht dafür mindestens drei Semester Informatik. Also haben wir mit Doppelnavi gearbeitet: Japan-Navi + Google Maps powered by Fritz. Blöd nur, dass die zwei grundsätzlich nie dieselbe Meinung hatten. haha

Aber mit einer Mischung aus beiden Systemen und mit Fritz, dem besten Navigator der Welt, haben wir es geschafft. By the way macht mir das Fahren im Linksverkehr eigentlich rein gar nix mehr aus. Wenn ich länger hier wäre, würde ich sicher demnächst genauso zu Fluchen wie zuhause. haha

Die Tiefgarage war dafür noch ein Highlight. Du fährst rein, steigst aus, und dann verschluckt so ein automatenmäßiges Ringelspiel das Auto einfach. Hoch, runter, weg. Wie ein Freizeitpark für Fahrzeuge.

Ich bin da reingefahren und dann haben die mit dem Auto Tetris gespielt

Unser Zimmer & der Abend

Unser neues Zimmer ist wie schon beschrieben typisch Kuma-Style: klein, süß, praktisch, mit viel Charme. Aber ja… wir geben es zu: Wir vermissen beide unser Riesen-Zimmer mit Meerblick in Beppu.

Jetzt haben wir ungefähr die Hälfte an Platz, aber zahlen auch mehr als die Hälfte. Passt also irgendwie. Nach dem Einchecken sind wir noch essen gegangen. Kein 38-Gänge-Luxusmenü wie die letzten Tage, sondern richtig gutes Curry. Für Fritz mit Beef und für mich endlich nur Gemüse und die Soße sogar vegan. Zwei Mahlzeiten für knapp 10 Euro.

Der Tag war heute richtig günstig, denn Fußgänger zahlen am Mount Aso keinen Eintritt und keine Parkgebühr. Wir haben uns heute also echt dezent und unbewusst durch den Tag gespart und haben uns ausreichend bewegt.

Ja, wo „kumamon“ wir da hin? 🙂

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