Baba Okinawa, Hallo Tokyo – unser Necessaire schreit langsam nach Hilfe

Wie merkt man, dass ein Urlaub lange dauert?

Also ich habe es nicht daran gemerkt, dass ich Heimweh bekommen hätte. Nein, sondern daran, dass mir langsam die Reisezahnpasta, meine Altherren-Hautcreme und sogar das Schnurrbartwachs ausgehen. Haha. In diesem Sinne kam es also gerade recht, dass wir heute unser letztes Ziel dieser langen Reise ansteuerten.

Wir sind von Okinawa gute 1500 km nach Tokyo geflogen. Vorher haben wir uns noch ausführlich vom Strand und dem heißen, schwülen Wetter verabschiedet. Dann ging es mit dem Taxi zum Flughafen. Diesmal mit einem ordentlichen Sicherheitszeitpuffer. Google Maps prophezeite uns alles zwischen 50 Minuten und 2 Stunden und so ganz unrecht hatte es nicht. Am Ende waren wir sicher 1 Stunde und 15 Minuten (oder Fünfviertelstunden, wie Fritz sagen würde) unterwegs. Wenn es nicht so weit gewesen wäre und wir nicht bepackt wie zwei alte Dromedare gewesen wären, wäre ich lieber gelaufen. Aber so ergaben wir uns dem sehr netten Taxifahrer, der zwischendurch wirklich besorgt war, wir könnten den Flug verpassen.

Am Flughafen haben wir unser Gepäck abgegeben und sind ein wenig herumspaziert, bis wir am Observation Deck gelandet sind. Dort wurde natürlich fotografiert und dann sah ich: eine Awamori-Bar. Hehe. Ein Frühschoppenbierchen geht immer. Sie hatten dort auch Habushu.

Habushu ist eine Okinawa-Spezialität, bei der eine Giftschlange (Habu) in einem Destillat, meist Awamori, eingelegt wird. Die Herstellung ist… nun ja… speziell. Die Schlange wird entweder betäubt oder getrocknet, dann in die Flasche gesetzt und mehrere Monate im Alkohol eingelegt. Die Idee dahinter: Die Proteine und Enzyme der Schlange sollen angeblich vitalisierend wirken. In Wahrheit ist es aber eher ein touristisches Kultgetränk mit Showeffekt und ist ziemlich stark. Probiert haben wir es nicht, aber fotografiert. Reicht fürs Karma-Konto. Ich habe übrigens heute Fritz gefragt, wie viele Fotos er schon gemacht hat, aber er sagt, dass er es nicht weiß. Ich bin aber überzeugt, dass er die Tausendermarke schon angekratzt hat, nachdem er heute wieder streckenweise eskaliert ist. hahahahaha

Beim Gate haben wir uns noch ein Blue Seal Eis reingezogen. Dieses Eis… ich schwöre euch… das Beste überhaupt.

Das Boarding lief typisch japanisch: ruhig, gesittet, freundlich. Null Stress. Ich war nur nervlich angespannt, weil um mich herum wieder gefühlt drölfzig Kleinkinder saßen. Ich ziehe sie magisch an, wie es scheint. Aber sie waren echt alle brav und haben die überwiegende Zeit geschlafen. Der Flug dauerte etwa zwei Stunden, vielleicht etwas weniger. Eine kurze Turbulenz hat uns beide kurz schweben lassen, aber sonst war es echt angenehm. Der Dreamliner ist bei der Landung allerdings auch ziemlich hart aufgesetzt, dass ich kurz dachte, wir hätten einen Platten. War aber nicht so, denn ich habe es sicherheitshalber überprüft.

Ich liebe japanische Flughäfen! Das Bodenpersonal winkt immer dem abfliegenden Flieger und verbeugt sich. Die Sicherheitsvideos und Ankunftsvideos mit den Pokémons sind sowieso Ultra-Süß. Pikachu geht da einmal verloren und ich habe wirklich mitgefiebert, bis er wieder zu seiner „Mama“ zurückgefunden hat. Haha.

In Tokyo Haneda angekommen, wusste ich bereits genau, welchen Zug wir nehmen, wie wir zahlen, wo wir aussteigen und wo der richtige Ausgang in Shimbashi ist. Es war fast ein bisschen wie „nach Hause kommen“. Tokyo ist einfach eine ganz eigene Dimension und im Vergleich zu allen anderen Orten wo wir während dieser Reise waren auch gestresster. Es wuselt überall und die Leute gehen auch schneller. Zum Vergleich: Ganz Österreich hat knapp 9 Millionen Einwohner. Der Großraum Tokyo hat rund 38 Millionen, also mehr als vier Mal so viel und das auf einer Größe vom Bundesland Oberösterreich. Und um eine Vorstellung vom Verkehr zu bekommen. Shinjuku Station zählt im Schnitt rund 3,5 Millionen Passagiere am Tag! Täglich! Der Wiener Hauptbahnhof kommt auf rund 270.000 pro Tag. Es ist also schlicht eine andere Welt. Ich liebe es trotzdem! Warum kann ich nicht sagen, aber ich fühle mich in Tokyo einfach wohl. 

Unser Hotel ist das gleiche, in dem wir vor zwei Jahren waren. Eigentlich wollten wir etwas Neues ausprobieren, aber wenn man etwas in guter Erinnerung hat, warum sollte man wechseln? Außerdem sind wir in meinem Lieblingsgrätzel: Ginza. Ein bisschen nobel, ja, aber wir gehen eh nicht in die Luxusläden. Es ist vielmehr die Atmosphäre! Eine Mischung aus Kärntner Straße und Tuchlauben, nur halt mehrere Kilometer lang und mit deutlich mehr „Sauf- und Fressgassen“.

Wir sind noch einige Kilometer herumgelatscht, bis uns unsere Nasen zu einem Udon-Lokal geführt haben. Und dort sind wir mit Udon und einem Aal-Reis-Set fündig geworden. Nach dem wirklich sehr guten Essen hat uns dann das Foodkoma eingeholt. Wir lassen den Abend jetzt ganz gemütlich ausklingen und erholen uns vom Reisetag. Zwei ganze Tage in Tokyo haben wir ja noch und auf die freue ich mich sehr. 🙂  

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