Heute sind wir relativ früh dran gewesen, weil wir gestern, scheinbar erledigt von der Reise, recht zeitig geschlafen haben. Man merkt echt an allen Ecken und Enden, dass wir nun in der Großstadt sind. Die Preise sind höher und das Frühstück ist kleiner. Haha Alles in allem passt das aber voll und ganz, wir kannten ja das Hotel bereits.
Wir gingen heute ohne Plan und ohne Ziel los. Es gibt sicher Tausende Dinge in Tokyo, die man unternehmen kann, aber wir wollten uns bewusst ein wenig treiben lassen. Unsere Motivation war: „Fahren wir mal nach Shinjuku und dann schau ma Mal.“ Bei der U-Bahnstation angekommen, hat allerdings das U-Bahn-Personal während der Rush Hour schon bei den Treppenabgängen Tetris mit den Menschen gespielt. Ich will mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie das in den Zügen ausgeschaut hat. Haha Wir haben uns angeschaut, kommentarlos genickt und sind zu einer anderen zufällig ausgewählten Bahnlinie gegangen. Also doch nicht Shinjuku, wir fahren spontan in den, äääähm lass mal schauen, Ueno Park. Am Bahnhof in der Ueno Station haben wir heute einer jungen Japanerin beim Koffer-Schleppen geholfen. In Japan gibt es ja gefühlt mehr Stufen als Menschen, und wer schon mal mit Gepäck durch Tokyos Öffis navigiert ist, weiß: Das ist ein eigener olympischer Sport. Sie hat sichtlich mit ihrem riesigen Trolley gekämpft, also haben wir kurz angepackt und ihr geholfen. Und ich schwöre euch: So schwer wie dieses Monster war, habe ich kurz befürchtet, dass wir ihr beim Entsorgen ihres Ehemannes geholfen haben. Hahaha Der Bahnhof dort ist generell eher nicht so schön, aber auf seine japanische Art und Weise wieder mega geil!



Beim Ueno Park angekommen, waren wir überglücklich, dass sich das so ergeben hat. Es war einfach wunderschön und das Herbstlaub hat uns halt ein wenig den Fotovogel rausgehaut. Fritz hat gestern noch abgestritten, dass er an die tausend Fotos gemacht hat, aber heute hat er es schon leise vor der Herbstlaubeskalation zugegeben. Ha ha ha ha
Vom Ueno Park sind wir dann mit der U-Bahn nach Shibuya weiter. Shibuya Crossing geht immer, denn das Treiben dort ist jedes Mal aufs Neue faszinierend. Wir waren dort auch noch Ramen essen, ein wenig bummeln und sind dann zum Katzentempel „Gotokuji“ aufgebrochen. Sogar der Zug dorthin ist kawaii (=süß) mit eigenen Haltegriffen. Gotokuji ist der Tempel, der als Geburtsstätte der berühmten Winkekatzen (Maneki-neko) gilt. Tausende kleine weiße Katzenfiguren stehen dort auf Regalen, in Nischen und unter Bäumen. Es ist ein bisschen surreal, ein bisschen kitschig, aber vor allem wahnsinnig charmant. Die Stimmung dort ist ruhig und fast meditativ und ich muss sagen, die vielen Katzen und das in Kombination mit dem Herbstlaub haben es mir echt angetan. Ich glaube, dass wir auch genügend Katzen-Voodoo gemacht haben, damit uns die Elvriiiiiede wohlgesonnen ist. 🙂









Die Gegend rund um Setagaya liebe ich sowieso sehr. Müsste ich nach Tokyo ziehen, wäre das definitiv mein Lieblingsviertel. Ich fürchte nur, dass es auch relativ teuer ist. Setagaya liegt keine 20 Minuten von Shibuya südwestlich des Stadtzentrums und ist eines der beliebtesten Wohngebiete Tokyos. Voller kleiner, enger Gassen, hübscher Häuser, lokaler Cafés, winziger Bars und Boutiquen. Es wirkt viel weniger hektisch als die großen Zentren und hat fast schon ein dörfliches Flair, aber halt mitten in der Millionenmetropole. Genau diese Mischung liebe ich dort so sehr. Zufällig haben wir dann dort auch noch das Gorilla Building gefunden. Ein Gebäude, auf dessen Fassade ein überdimensionaler Gorilla hängt, als würde er gleich King-Kong-mäßig irgendwo raufklettern. Völlig absurd, aber herrlich witzig.





Wir haben dann auch noch zufällig festgestellt, dass man im Carrot Tower einfach so kostenlos auf den 26. Stock zum Observation Deck fahren kann und haben dann dort den Sonnenuntergang beobachtet. Es war der perfekte Abschluss eines Tages, an dem wir eigentlich überhaupt keinen Plan hatten und trotzdem einen überraschend wunderbaren Tag erlebt haben. Genau das ist, glaube ich, das Wunderbare an einem langen Urlaub. Man lässt sich treiben, ohne Erwartungsdruck, ohne To-do-Liste und irgendwie führt einen das Universum (oder die japanischen Verkehrsbetriebe) automatisch genau dorthin, wo man sein soll. Und mal ehrlich: Es bringt überhaupt nichts, von einem Instagram-Fotospot zum nächsten zu hecheln, nur um irgendein „Must-See“ abzuhaken. Die besten Momente liegen oft direkt vor der Nase! Ganz ohne Stress, ganz ohne Plan. Man muss eigentlich GAR NICHTS tun, außer offen zu bleiben für das, was spontan passiert. Und genau das hat uns heute einen dieser goldenen „Einfach-drauf-los“-Tage geschenkt, die man nie vergisst. Ich muss aber zugeben, dass das auch daran liegen wird, weil wir ja schon mal hier waren. Aber ich bin sicher nicht zum letzten Mal hier, da bin ich mir auch ziemlich sicher. 🙂
Wir sind dann gemütlich zurück Richtung Hotel. In Shimbashi angekommen, wollte ich dann noch einen Trolley kaufen gehen. Es ist gar nicht so einfach einen zu finden, der die europäischen Handgepäcksmaße erfüllt. Deshalb hab ich mir dann „is egal, dann nimmst du wenigstens nicht so viel Zeugs mit nachhause“ gedacht. Bis ich dann bei Don Quijote fündig geworden bin. Leider auch gleich mit ca. zwei Tonnen neuer Souvenirs. lol Jetzt ist der Trolley schon voll, wenn ich das andere Klimbim der letzten Tage hinzugebe. Ich erteile mir ab jetzt ein Shoppingverb….. ach was, scheiß drauf, Japan ist nur einmal im Jahr. hahahahaha
Den Abend haben wir heute gemütlich ausklingen lassen. Wir waren in der Ginza Brewery https://brewinbar.com/ (absolute Empfehlung, wenn ihr mal nach Tokyo kommt). Fritz und ich waren schon vor 2 Jahren in dieser kleinen aber feinen Brauerei. Das Bier und die Snacks schmecken mega und zum Abschluss haben wir uns noch einen japanischen Whiskey gegönnt. Meiner war sehr blumig und angenehm, Fritz seiner roch wie eine Moorbrandleiche. Aber auch, wenn mir so ein torfiges Getränk nicht schmeckt, weiß ich, dass er da einen ziemlichen genialen Whiskey hatte. Das nette Erlebnis war, dass sich der Chef noch an mich bzw. meinen Schnurrbart erinnern konnte. Mein Markenzeichen bleibt einem ewig „eingebrannt“. 🙂 Ich war mir allerdings auch sehr sicher, dass uns er vor zwei Jahren schon bedient hat. Mein Hirn vergisst sowas auch nicht so leicht. hehe Was für ein toller Tag!





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