Heute sind wir scheinbar vom gestrigen Besuch in der Ginza Brewery noch etwas benebelt gewesen. Natürlich nur rudimentär vom Alkohol, sondern viel mehr von der guten Stimmung. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass wir heute ein wenig später aus den Federn gekommen sind. Unser Plan für den Tag war wieder einmal herrlich minimalistisch: kein Plan. Naja, zumindest fast.
Das Tokyo Metropolitan Government Building stand auf der Wunschliste! Und ja, ich gebe es zu, Shinjuku wollte ich natürlich auch sehen. Zwei Fliegen mit einer Klatsche, dachte ich. Immerhin liegen die beiden Orte nicht weit auseinander. Wir können also mit guten Gewissens morgen nach Hause fliegen, weil wir auch der Shinjuku-Katze und Godzilla Tschüss gesagt haben. Ja, leider! Morgen ist Tag 25. Unser letzter Tag in Japan. Auch der längste Urlaub endet irgendwann, außer man ist wie Fritz schon Pensionist. Haha.
Beim Frühstück habe ich Google Maps geöffnet und plötzlich entdeckt, dass gleich neben unserem Hotel der Hamarikyu Park liegt. Der Hamarikyu Park ist eine ehemalige herrschaftliche Gartenanlage der Tokugawa-Shogune und liegt direkt an der Tokyo Bay, quasi zwischen dem hypermodernen Shiodome-Viertel und dem Wasser. Spannend ist dabei, dass im Shiodome District werktags über 60.000 Menschen arbeiten. Man steht also buchstäblich zwischen einem der geschäftigsten Büroviertel Tokyos und einer stillen Oase aus Kiefern, Teichen und traditionellen Gärten.


Man kann dort wunderschöne Spazierwege entlang traditioneller Gärten gehen, Ententeiche sehen, die Gezeiten beobachten und vor allem: Tee trinken! Stilecht in einem historischen Teehaus mitten im Park. Und weil ich weiß, dass Fritz schon immer einmal eine richtige japanische Teezeremonie erleben wollte, ist er heute voll auf seine Kosten gekommen.

Ich habe natürlich auch mitgemacht und Überraschung mir schmeckt Matcha. Meine Theorie, weil es so bitter ist wie Bier. Haha. Dazu gab es zwei traditionelle Süßigkeiten. Die Konsistenz von Klebreis wird wohl nie unser beider Lieblingsfreund werden, aber alles mit Bohnenpaste geht bei uns immer.
Nach dem Besuch im Park fuhren wir mit der U-Bahn nach Shinjuku. Dieser Bahnhof ist eine Welt für sich. Ich glaube, es gibt dort mehr Ausgänge als ich Haare am Kopf habe. Natürlich kamen wir, wie jedes einzelne Mal, auf der komplett falschen Seite raus. Haha. Draußen geht es dann aber leichter. Wir sind zu unserem üblichen Shinjuku-Programm spaziert: 3D-Katze, Godzilla, ein bissl herumlaufen, ein bissl staunen, ein bissl lachen.




Dann standen wir plötzlich vor dem Restaurant, in dem wir vor zwei Jahren gegessen hatten. Keine Ahnung, warum uns diese Stadt ständig an kulinarische Orte zurückführt, an denen wir schon waren, aber es passiert uns laufend. Dieses Mal haben wir uns aber für etwas Neues entschieden. Wir hatten ein Suppen- und Gyoza-Menü und es war sehr gut. Fritz hat meine Nachspeise gegessen, ich dafür ein zweites Reparaturseidl getrunken. Keine Ahnung, warum ich heute ein Reperaturseidl benötigt hab. So viel haben wir ja gestern gar nicht gezwitschert. Also eigentlich haben wir den ganzen Urlaub nie viel getrunken. Wir haben uns zwar fast täglich ein, zwei Seidl ins Getriebe gestellt und hin und wieder auch einen Sake, aber so richtig mal über den Durst getrunken haben wir diesmal nicht. LEIDER! Das ist der Grund warum ich keinen Karaoke-Abend mit Fritz geschafft habe. Er hat 24 Tage lang durchgestreikt. Nicht einmal ein schiefer Ton. Nicht einmal „Dancing Queen“. Hahaha.
Danach ging es unterirdisch weiter. Und wenn ich „unterirdisch“ sage, meine ich es wortwörtlich. Der Shinjuku-Untergrund ist wie eine eigene Stadt, ein gigantisches Labyrinth, das mich an einen Ameisenbau erinnert. Nur mit mehr Leuchtreklame. Und mehr Menschen. Und mehr Möglichkeiten, sich zu verirren. Wenn man allerdings augenscheinlich was sucht, helfen die Japaner aber immer wieder weiter. Wir hatten heute mal wieder so einen Moment, in dem uns ein sicher gestresster Businessmensch den Weg zur Oedo Linie gezeigt hat. Sehr nett!
Unser Ziel war das Tokyo Metropolitan Government Building und wir fanden es eigentlich recht zackig. Das Gebäude ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Shinjukus. Zwei markante Zwillingstürme, die ein wenig so aussehen, als wären sie aus Legosteinen gebaut worden. Im 45. Stock gibt es ein kostenloses Observation Deck und genau dort wollten wir hin. Der Blick von oben ist wirklich atemberaubend: Tokyo breitet sich wie ein endloses Meer aus, ein urbanes Teppichmuster bis zum Horizont, und man versteht endgültig, warum diese Stadt einfach alles sprengt, was man sich vorher unter „groß“ vorgestellt hat. Zu unserer Freude hat sich auch Mount Fuji ein wenig aus den Wolken heraus gezeigt.




Von Shinjuku sind wir dann zurück nach Ginza und waren noch ein wenig Bummeln, Süßigkeiten für zuhause kaufen und dann sollten wir langsam mal ins Hotel zurück. Rucksäcke neu packen bzw. alles herrichten was wir morgen brauchen etc.
Dieser Tag war wieder einmal völlig perfekt und ein krönender Abschluss dieser phänomenal genialen Reise. Fritz was sagst du dazu?
Ja, es war eine phänomenal geniale Reise!
Es war die längste Reise in einem Stück, die ich je unternommen habe.
Hier nun mein Resümee:
Was habe ich vermisst?
Ein gemütliches Sofa! Ja, richtig gelesen: Eine Couch!
Japanische Hotelzimmer sind in der Regel (und in unserer Preisklasse) kleine „Kammerl“. Der Abstand zwischen Bett und Wand misst oft nur maximal 50 cm. Und mit größerem Gepäck ist das „Kammerl“ eigentlich schon voll. Der einzige Hocker im Zimmer ist dann mit allerlei „Klumpert“ belegt. Also zum Sitzen ist quasi kein Platz! Wir hatten nur 3x großzügige Zimmer mit ordentlichen Sitzgelegenheiten. Also freue ich mich auf die Couch zu Hause.
Ja, und das „Leben aus dem Koffer“ ist auf Dauer auch nicht wirklich toll.
Ich freue mich auch schon darauf, nicht jeden Tag ein passendes Restaurant oder „Beisl“ suchen zu müssen, sondern zu Hause zu essen.
Das heimische Essen allerdings geht mir interessanter Weise nicht ab! Ich hab während der ganzen Reise immer gut gegessen. Vor allem die Frühstücksbuffets sind hier sehr umfangreich und vielfältig (Ausnahme: hier in Tokyo). Und auch wenn die Kost sehr „fleischlastig“ ist, kann man sich recht gut ausgewogen ernähren.
Ich gehe jetzt davon aus, dass zuhause die Bildschirmzeit wieder drastisch sinken wird. Das Handy ist auf Reisen ja scheinbar das Wichtigste überhaupt. Und man ist Google völlig ausgeliefert. Ohne Google Maps, Translate und Lens sind solche Reisen eigentlich kaum mehr vorstellbar!
Und das wars auch schon mit den Minuspunkten.
Es gibt viel mehr Positives zu berichten:
Die Reiseroute war optimal und hat uns so viele verschieden Gesichter dieses Landes gezeigt.
Wir müssen auch Engel sein, denn das Wetter war einfach toll. Und da wir genügend Zeit hatten, konnten wir unser Programm teilweise auch nach dem Wetter richten.
Die Zeit war überhaupt der größte Luxus dieser Reise. Wir hatten uns zwar im Vorhinein für jedes Ziel ein Programm zurecht gelegt, aber das waren nur Vorschläge. Meistens haben wir am Vorabend oder manchmal erst beim Frühstück ein Tagesprogramm festgelegt. Und je weniger Programm wir uns vorgenommen hatten, desto interessanter wurde der Tag. Aus „schau ma mal“ wurden oft die tollsten Erlebnisse!
Normalerweise ist mein Kopf nach zwei Wochen Urlaub mit Besichtigungsprogramm so voll, dass ich nichts mehr sehen und hören will. Das war diesmal überhaupt nicht der Fall! Ich hatte nur ein Mal einen kurzen Durchhänger, aber der ging schnell wieder vorbei.
Ich hatte natürlich auch einen ausgezeichneten persönlichen Reiseleiter! Alex hat 98% der Reise geplant, gebucht und geführt. Und dafür bin ich ihm unendlich dankbar! Auch seine Japanischkenntnisse haben so manche Situation entschärft oder auch bereichert!
Jetzt, am letzten Tag, kommt plötzlich auch die Vorfreude auf daheim, auf das Gewohnte, die Freunde und die Familie!
Aber die Zeit hier war sehr bereichernd und wird mir unvergesslich bleiben! Fritz
Danke Fritz für deinen Einblick und dein Resümee. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das Reisen mit dir auch einfach unheimlich viel Spaß macht. Ich gehe deshalb voraussichtlich morgen im Flugzeug direkt in die nächste Planung. hahaha
Man merkt übrigens, dass es ein richtig guter Urlaub ist, wenn wir zwischendurch unseren eigenen Blog lesen müssen, um uns an all die kleinen Details oder die Chronologie zu erinnern, die wir schon erlebt haben. Genau deshalb machen wir das hier überhaupt. Nicht nur, um Freunde und Familie zuhause mitzunehmen, sondern vor allem für uns selbst. Dieser Blog ist unser persönliches Reisetagebuch, das uns später wieder zurück in die Momente holt und manchmal ist es einfach herrlich, sich schon während der Reise daran zu erinnern, wie viel man eigentlich erlebt hat.
じゃあね – Ja Ne – Bis dann

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