Paris Tag 2: Zwischen Jugendträumen, Sri Lanka und 22.000 Schritten

Aufwachen in Paris
Und zwar nicht irgendwie, sondern mit Blick auf den Eiffelturm. Direkt vom Bett aus. Ja, es ist einen Tick teurer, aber ganz nach dem Motto: „Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben.“

Dann Frühstück
Und ich sag es jetzt schon: Das wird ein Problem für die Zukunft.
Mir wird es hier wie nach unseren Japan-Urlauben gehen. Nachdem man einmal Sushi in Japan gegessen hat, ist zuhause irgendwie alles nur mehr… nett. Und genau das wird mir hier mit Baguette, Croissant und Co. passieren. Außen knusprig, innen weich, alles frisch, alles einfach auf den Punkt. Fritz hat heute sogar auf die obligatorische Honigsemmel verzichtet.

Und dann die große Frage: Was macht man an Tag 2 in Paris?
Louvre? Triumphbogen? Notre-Dame? Nein.

Ich wollte zu den Drehorten von La Boum. Ja, genau. Vic, François und Françoise Beretton meine Jugend. Ich habe damals mitgefiebert, mitgelitten und vermutlich jedes Mal so getan, als wäre ich selbst Teil dieser Clique. Und mit meiner Urlioma hatte ich damals übrigens auch eine ziemlich coole „Poupette“ an meiner Seite.

Ich habe diese Filme hunderte Male gesehen. Den zweiten Teil wahrscheinlich noch öfter. Den hatten wir nämlich bei Tante und Onkel auf Video 2000. Für alle, die das nicht mehr kennen.
Video 2000 war das Konkurrenzsystem zu VHS in den 80ern. Der große Vorteil, war dass man die Kassette einfach umdrehen und beide Seiten bespielen konnte. Wie bei einer Audiokassette. Außerdem war die Bildqualität besser und das System robuster.
VHS hat sich am Ende trotzdem durchgesetzt, vor allem weil es früher am Markt war und mehr Filme verfügbar waren. Aber für uns war Video 2000 damals das Nonplusultra.

Hach. Diese Erinnerungen.

Unser Weg heute war also ein sehr persönlicher. In der U-Bahn hat uns ein Akkordeonspieler einen ordentlichen Ohrwurm verpasst. Seitdem begleitet mich ein Lied durch den ganzen Tag: „Ella“ von France Gall. Und ja, ich habe es wirklich den ganzen Tag im Kopf gehabt. Start war also bei Vics Schule, dem Lycée Henri-IV, weiter zum Panthéon, zur Universität Sorbonne, vorbei am Palais de Luxembourg und dann einfach treiben lassen durch das 6. Arrondissement. Irgendwo am Weg habe ich mir auch noch ein La Boum Poster bei einem Marktstand gekauft. haha

Und dann? Endlich Champagner! Wie immer sind wir an gefühlt hundert Lokalen vorbeigegangen, weil es uns einfach nicht „getouched“ hat. Aber irgendwann passiert es dann doch. Man findet dieses eine Lokal. Und dann passt alles.

Danach noch ein kurzer Abstecher zum Louvre. Der Louvre! Beeindruckend, keine Frage, aber die Menschenmassen waren schon heftig. Und da uns das Museum an sich nicht wirklich gereizt hat, haben wir uns relativ schnell wieder verabschiedet. Später erzählte man uns, dass man 3 Tage und 2 Nächte benötigen würde, wenn man sich alles im Museum anschauen würde. So viel Zeit haben wir nicht. haha

Stattdessen ging es weiter Richtung Quai de la Valmy, wo wir Mathilde, Matteo und Charitha getroffen haben. Charitha stammt ursprünglich aus Sri Lanka, hat in Paris studiert, lebt mittlerweile in San Francisco und ist eine Freundin von ihnen.

Gemeinsam haben wir eine rund zweistündige Bootstour gemacht.
Die Route war wirklich besonders! Vom Canal Saint-Martin geht es durch mehrere Schleusen und dann durch einen langen, unterirdischen Tunnel, der mitten unter der Stadt verläuft. Plötzlich wird es ruhig, dunkel, fast ein bisschen surreal! Nur das Wasser, die Lichter und das leise Gleiten des Bootes. Ach ja und die gröhlende ziemlich angeheiterte holländische Reisegruppe, die das ganze Bier am Schiff ausgetrunken haben. haha Danach öffnet sich die Strecke wieder Richtung Seine, wo man die Stadt aus einer komplett anderen Perspektive erlebt. Wirklich beeindruckend.

Nach dieser wirklich schönen Fahrt sind wir noch durch das ziemlich überlaufene 3. Arrondissement geschlendert und haben zuvor auch die berühmte Notre Dame besucht. Ganz Paris schien heute draußen zu sein. Überall Menschen, überall Leben.

Aber wenn man mit Einheimischen unterwegs ist, dauert es nicht lange, bis man den richtigen Spot findet. Nach der Bootsfahrt, bei der wir auf dem Deck ordentlich „durchgegrillt“ wurden, war es jedenfalls eine Wohltat, in ein Bierlokal einzukehren. Die Auswahl dort war riesig. Und genau deshalb war ich vorsichtig. Craft Beer ist so eine Sache. Also habe ich mich für etwas Bewährtes entschieden: Rothaus. Schwarzwälder Bier in Paris ein Fauxpas? Nein. Ein Genuss.

Am Abend dann noch ein echtes Highlight: ein sri-lankisches Restaurant. Charitha hat für uns bestellt, wir haben alles geteilt und uns einfach durchprobiert. Und was soll ich sagen. Das war ein Erlebnis. Geschmacklich komplett anders, intensiv, spannend. Ich glaube, irgendwo war auch ein bisschen Huhn dabei, aber naja. What happens in Paris stays in Paris. Ein Fischgericht hatte eine so feste Konsistenz, dass man fast dachte, man isst Rindfleisch. Es stellte sich heraus, es war Fächerfisch.

Wir sind Charitha wirklich dankbar für diesen Einblick. Das war definitiv eines der kulinarischen Highlights bisher. Und der interkulturelle Austausch war überhaupt das Beste.

Und jetzt? Kurz vor Mitternacht. 22.000 Schritte auf der Uhr. Ich denke, wir werden heute sehr gut schlafen. Und freuen uns schon auf morgen.

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