Kinder, eines sei euch gewiss. Es gibt auch im Napa Valley keinen Wein von dem man a) nicht blau wird und b) keinen Kater bekommt. Ich bin ja ein zäher Hund und verspüre von gestern keine Nachwirkungen, aber Herr Friedrich schaffte das Aufstehen heute nur mit Hilfe einer Kopfwehtablette. Nun, er hat auch sonst oft grundlos Kopfweh, also weiß er heute wenigstens warum und woher er diesmal einen Brummschädel hat. Gestern haben wir ja bereits einige Weine verkostet und alle haben gute Noten von uns bekommen.

Was steht heute am Programm? Nun, wir haben überlegt mit dem Auto das Napa Valley abzufahren und auf eigene Faust Weingüter zu erkunden. Es erscheint uns aber als eher schwierig, bei der Masse und dem Überangebot etwas zu finden. Das größte Problem ist aber: WER von uns fährt freiwillig mit dem Auto???? Wir haben uns daher an die Rezeption gewandt, um Informationen bzw. Details zu erfragen und die sehr nette Hotelangestellte Adriana hat uns daraufhin spontan eine Tour gecheckt. Wir werden um 10:30 abgeholt, fahren durchs Napa Valley, besuchen vier Weingüter und machen ein Picknick in den Weinbergen. Mal sehen, ob es ein Touristenfang ist oder nicht. Aber egal – erstens sind wir Touristen und zweitens hätten wir sonst gar keinen Tau von der Gegend. Wenn wir zurück sind, können wir mehr dazu berichten.

Bevor wir losfahren möchte ich noch eine Beobachtung schildern. Hier wird ja die Temperatur in Fahrenheit angegeben bzw. gemessen. Es ist für uns Europäer komisch, denn 70° hat es ja bei uns nie, doch die Amerikaner dürften auch ihre eigenen Angaben missverstehen. Tagsüber klettert das Thermometer zwar immer über die 75° (= ca. 23-24 Celsius – wir hatten auch schon mal 80°), aber es geht ständig eine leichte Briese und man braucht zumindest im Schatten immer wieder eine Weste. Nicht so die Amis, denn die liegen gegenwärtig bei 60 Grad Fahrenheit (15° Celsius) am Pool und gehen auch noch ins Wasser rein. Die Leute sind auch unterschiedlich gekleidet. Die einen gehen mit Flip Flops und Shorts und die anderen kommen dir mit einem Daunen-Gilet entgegen. Eins ist aber fix – wir Europäer sind im Vergleich zu den Amerikanern besser gekleidet. Erstens haben wir die vorteilhafteren Figuren und zweitens auch einen besseren Geschmack. Extravaganten Geschmack hat man hier kaum und jedem Mailänder würde es bei manchen Kleidungskompositionen vor Schreck die Prada-Socken ausziehen. Von der Schuhmode möchte ich erst gar nicht sprechen! Hier lösen sich sogar schon meine italienischen Patscherl auf, weil sie sich so genieren. 😀 Nun gut – jetzt aber Schluss, wir werden demnächst abgeholt.

Tütü, ein Wohnmobilbus biegt um die Ecke. Hier ist der Platypus Tour Bus. Im Wagen acht Amerikaner, wir zwei Exoten und eine äußerst überdrehte Fahrerin. Kathie, ein Sonnenschein der Extraklasse. Sie ist eine Mischung aus betrunkener Fuchs Beate und wenn ihr euch an die Nonne in der Ente bei den Louis de Funes Filmen erinnert, genau wie diese besagte Nonne. Sie hatte auch denselben Fahrstil. Streckenweise sah ich mein Leben an mir vorbei ziehen – überhaupt als sie Vollgas die Interstate querte und sich einige einbremsen mussten. Sie hat kein Schlagloch ausgelassen und wenn der ganze Bus gewackelt hat, dass wir hinten fast durcheinander gewürfelt wurden, hatte sie noch lautstark „Yeeeeeaaaahhhhh“ geschrien. Allein für die Gaudi war die Tour schon ihr Geld wert.

Wir waren überhaupt eine lustige Runde und alle Stereotypen die ich von Amerikanern hatte, haben sich bestätigt. Wir fuhren insgesamt vier Weingüter an und verkosteten überall ca. 4 – 5 Weine. Sensationelle Weingüter die vor Prunk u. Glanz nur so strotzen. Es hat uns sehr gefallen und ich muss schon sagen, dass sich eine Spätfrühstücksverkostung äußerst positiv auf das Gemüt auswirkt. Fritz hätte sich seine Kopfwehtabletten auch sparen können.

Was sagen wir zu den Weinen? Grundsätzlich schmeckt der Wein genauso wie bei uns. Markante Unterschiede gibt es nur bei den Sorten die bei uns nicht so verbreitet sind. Ein Zinfandel ist bei uns zuhause halt doch eher in der Kategorie exotisch einzuordnen. Was die Weißweine von unseren sehr stark unterscheidet, ist der Reifegrad. Hier werden fast alle Weißweine in Holz ausgebaut und wir bekamen keinen Weißwein, der jünger als zwei Jahre war. Wenn man so wie ich auf das junge, spritzige und fruchtig Dominante steht, dann ist man hier in Napa eindeutig falsch. Die Weine waren dennoch alle top. Bei den Rotweinen merkte ich persönlich kaum einen Unterschied zu unseren. Fritz hingegen meint, dass er schon findet, dass sie anders sind. Keine Ahnung – ist halt subjektiv. Die Weinberge und die Palmen sind jedoch in Kombination ein Traum!

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Die Tour dauerte inkl. Lunch bis kurz vor 17 Uhr und den Abend haben wir bei einer typisch mexikanischen Taqueria ausklingen lassen. Es war wirklich richtig mexikanisch und wir haben sehr gut und diesmal auch sehr günstig gegessen. Wir haben jetzt noch eine Flasche Muskat in der Reißen, weil wir können die ja unmöglich mit nachhause nehmen. 😉 Cheers

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